Prof. Dr. Gerhard Wolf

Realistische Wissenschaftliche Rechtslehre

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Weichenstellungen für den erforderlichen Neuansatz

 

  • Methodische Weichenstellung

    Der Weg zur Lösung der Probleme ist verblüffend einfach: Die genannten drei Grundfragen der Rechtswissenschaft lassen sich (nur) dann beantworten, wenn man bei der Klärung der Wortbedeutungen ansetzt: Was bedeutet eigentlich das Wort 'recht'? Bevor man über einzelne Rechtsfragen diskutiert, muss geklärt werden: Worüber reden wir eigentlich? Und was bedeutet es, dass die Fragen, um die es geht, wissenschaftlich beantwortet werden sollen.

    Die Antworten auf die Grundfragen stehen also nicht in den Lehrbüchern der Rechtsphilosophie oder der Wissenschaftstheorie, sondern im Duden.


  • Klärung der Wortbedeutungen

    • Was bedeutet 'Recht'?

      'recht' ist eine sprachliche Zusammenfassung für die Vereinbarkeit des Verhaltens von Menschen mit den verbindlichen Regelungen für das Zusammenleben.

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    • Was bedeutet 'Wissenschaft'?

      Das Wort Wissenschaft ist mehrdeutig: Es bezeichnet je nach Zusammenhang

      • Das Bemühen um methodische Herleitung allgemeingültiger gesicherter Erkenntnisse
      • Die auf diese Weise erlangten, also für gesichert gehaltenen Erkenntnisse in einem Fachgebiet

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    • Was also bedeutet 'Rechtswissenschaft'?

      Rechtswissenschaft ist eine sprachliche Zusammenfassung für das Bemühen um die Herleitung allgemeingültiger gesicherter Erkenntnisse über die verbindlichen Regelungen für das Zusammenleben der Menschen (die Beurteilung der Vereinbarkeit eines Verhaltens mit diesen Regelungen im Einzelfall ist demgegenüber eine Frage der Praxis).

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  • Einbeziehung der Grundlagen der Rechtswissenschaft

    Aus den Definitionen der Begriffe 'Wissenschaft' und 'Recht' ergibt sich die Notwendigkeit, die Probleme der  Wahrnehmungs-, Urteils- und Erkenntnislehre, der Verhaltenslehre und der Sprachlehre in die rechtswissenschaftliche Diskussion einzubeziehen. Andernfalls arbeitet man insoweit mit Leerwörtern; dann ist "Rechtswissenschaft" ein Koloss auf tönernen Füßen.

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  • Beschränkung auf die Herausarbeitung der Grundlinien einer Gesamtkonzeption, auf die Klärung methodischer Fragen und auf Ausarbeitungen zu ausgewählten Detailproblemen


Die Gegenstände der Rechtswissenschaft umfassend vollständig klären zu wollen, wäre ein vermessenes Vorhaben: Sie reichen von der Juristischen Methodenlehre über die Allgemeine Rechtslehre und drei zentrale Rechtsgebiete (Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht, jeweils einschließlich des dazugehörenden Verfahrensrechts) bis hin zu einer unüberschaubaren Fülle von Spezialgebieten, die für einen begrenzten Anwendungsbereich alle genannten Gebiete einbeziehen. Dies alles wissenschaftlich abhandeln zu wollen, wäre illusorisch, eine Mammutaufgabe, die niemand leisten kann. Es muss daher zunächst darum gehen, ein Grundgerüst zu erstellen, in das sich die im Einzelfall zu klärenden Fragestellungen systematisch einfügen lassen.

Für das weitere Vorgehen ergibt sich daraus ein Primat der Juristischen Methodenlehre: Angesichts der unüberschaubaren Fülle von bekannten und ständig neuen Rechtsfragen kann das wissenschaftliche Ziel nur sein, zu klären, wie man mit ihnen umgeht und eine begründete Antwort findet: „Ein Jurist ist kein Vielwisser, sondern ein Methodiker“ (Kurt-Georg Kiesinger).

  • Systematische Ordnung der juristischen Sachfragen und Antworten


Merkmale wissenschaftlichen Arbeitens sind u.a. die Systematisierung der Fragestellungen und der gefundenen Ergebnisse sowie deren Redundanzfreiheit: Um nutzbringend zu sein, dürfen die Probleme und ihre Lösungen nicht einfach "auf einen Haufen geworfen" werden ("Golem"), sondern sie müssen so strukturiert abgelegt werden, dass sie bei Bedarf im Einzelfall abgerufen werden können. Und die Strukturierung muss unnötige Wiederholungen vermeiden.

Die benötigten Strukturen sind nicht durch eine Hierarchie festgelegt ('Begriffspyramide'), sondern sprachliche Strukturen ('Hypernyme' und 'Hyponyme'). Daraus ergibt sich für die Sachfragen, um die es geht, traditionell und praktisch bewährt die Grundeinteilung in fachgebietsübergreifende Lehren ("Allgemeine Rechtslehre") und fachgebietsbezogene Lehren (Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht). Spezialprobleme lassen sich - obwohl sie häufig Schnittmengen enthalten - in diese Grundeinteilung einordnen.

Zu rechtsgebietsübergreifenden Sachlehren ...

Zur Strafrechtslehre ...

  • Trennung der miteinander verflochtenen, aber voneinander zu unterscheidenden juristischen bzw. juristisch relevanten Themen

 Die Analyse des Diskussionsstandes führt zu dem weiteren Befund, dass innerhalb der verschiedenen Rechtsgebiete völlig unterschiedliche Aspekte häufig „in einen Topf geworfen“ werden: Von den Grundlagenproblemen, den methodischen Fragen und den Sachfragen strikt zu trennen sind insbesondere wissenschaftlich letztlich nicht klärbare Standpunkte, insbesondere rechtspolitische Erwägungen, didaktische Fragen sowie die Ausinandersetzung mit anderen Auffassungen: Rechtspolitik ist Politik. Die Frage, "wie sage ich es meinem Kinde" ist etwas anderes als Frage, "was sage ich meinem Kinde". Und die wissenchaftliche Diskussion abweichender Auffassungen erfordert zum einen eine immanente Kritik, zum anderen setzt sie eine klar formulierte eigene Position voraus, an dem die andere Meinung gemessen werden kann.

Zu den Standpunkten ...

Zu Fragen der rechtswissenschaftlichen Ausbildung ...

Zur Auseinandersetzung mit anderen Meinungen ...

 

  • Trennung von 'Rechtswissenschaft' und 'Rechtspraxis'

Die Vermengung unterschiedlicher Fragestellungen betrifft schließlich das Verhältnis von Theorie und Praxis. Insoweit geht es um grundverschiedene Bereiche, die zwar inhaltlich aufeinander bezogen sind, aber nicht ineinander gerührt werden dürfen: Wissenschaftliche Erkenntnisse dürfen nicht auf den Einzelfall beschränkt werden und sie dürfen bei der Klärung des Einzelfalls nicht pragmatisch verfälscht werden. Und die Rechtspraxis darf nicht aufgrund eines Einzelfalls verallgemeinernde „Leitsätze“ aufstellen, bei denen gerade unklar ist, ob sie allgemein tragfähig sind („in der Regel“). Es geht um unterschiedliche Arbeitsbereiche:

Gegenstand der Rechtswissenschaft ist die Prüfung und Weiterentwicklung der allgemeinen Beurteilungsgrundlagen für die Praxis.

'Rechtspraxis' ist die Anwendung rechtswissenschaftlicher Erkenntnisse im Einzelfall, also um 'Subsumtion', d.h. Beurteilung des individuellen Verhaltens von Menschen anhand der verbindlichen allgemeinen Vorgaben für das Zusammenleben von Menschen.

 

 

© 2018 | Prof. Dr. Gerhard Wolf, Europa Universität Viadrina    -   Letzte Änderung: 18.04.2018 TOP Seitenanfang