Prof. Dr. Gerhard Wolf

Realistische wissenschaftliche Rechtslehre

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Blaue, türkisfarbene, rote, grüne und gelbe Seiten

 

Die verschiedenfarbige Gestaltung der Online-Darstellung meiner Lehren soll zum Ausdruck bringen, dass bei einer umfassenden Darstellung einer wissenschaftlichen Rechtslehre mehrere Bereiche strikt getrennt werden müssen:


Blaue Seiten:     Realistische Wissenschaftliche Rechtslehre“

 

Wissenschaftliche Arbeit besteht in der methodischen Erarbeitung von begründeten Erkenntnissen – und anschließend in der zusammenhängenden systematischen Darstellung der Forschungsergebnisse. Die systematische Darstellung des eigenen Gesamtkonzepts ist daher das eigentliche Ziel und für das Verständnis der Lehren, die man für weitergebenswert hält, unabdingbar. Angesichts der unüberschaubaren Meinungsvielfalt ist sie nur zu leisten, wenn sie zunächst von anderen Aufassungen freigehalten, die Auseinandersetzung mit anderen Ansichten also „ausgelagert“ wird („Rote Seiten“). Sie ist darüber hinaus – bei wissenschaftlichem Vorgehen eine Selbstverständlichkeit - strikt von subjektiven Einschätzungen („Grüne Seiten) und didaktischen Fragen („Gelbe Seiten“) zu trennen.

 

Türkisfarbene Seiten:     Transdisziplinäre Grundlagen der Rechtswissenschaft

 

Keine Wissenschaft kann sich auf ihren Gegenstand beschränken - sie baut notwendig auf Grundlagen auf. Kant hat das für die Rechtswissenschaft in seiner Antwort auf die Frage "Was ist Recht?" mit dem Hinweis auf die Fabel von Phaedrus zu verdeutlichen versucht ("Schade, dass er keinen Kopf hat"). Treffender ist das biblische Bild vom "Koloss auf tönernen Füßen":



Rote Seiten:      Auseinandersetzung mit anderen Lehrmeinungen

 

Die Auseinandersetzung mit anderen Ansichten ist ein Grunderfordernis wissenschaftlicher Arbeit – aber „eine andere Baustelle“ als der eigene Erkenntnisstand. Sie erfordert zunächst eine unvoreingenommene immanente Prüfung des ggf. grundlegend anderen Ansatzes, eines abweichenden Gedankengangs und abweichender Auffassungen der Kollegen zu Detailfragen. Darüber hinaus muss klargestellt werden, worin die Abweichungen zu den eigenen Lehren bestehen und auf welchen Gründen sie beruhen.


Grüne Seiten:     Persönliche Standpunkte

 

Unter „Persönliche Standpunkte“ werden alle Fragen zusammengefasst, die für rechtswissenschaftliche Beurteilungen zwar keineswegs uninteressant sind, sich einer wissenschaftlichen Beurteilung aber gerade entziehen.

Zu diesen bloß subjektiv beurteilbaren Fragen gehören zunächst rechtspolitische Ansichten und Forderungen - über sie wird nicht wissenschaftlich, sondern an den Wahlurnen entschieden. Scheinbar unstreitig ist, dass Glaubensfragen von der Wissenschaft fernzuhalten sind. Dann gehören allerdings zahllose umfangreiche juristische Diskussionen über Weltanschauungsfragen nicht in den Bereich der „Blauen“,  sondern in den der „Grünen Seiten“ – angefangen bei „philosophischen“ Grundannahmen über „teleologisch-wertphilosophische“ Entwürfe einer Rechtslehre bis hin zu Erwägungen über „Gerechtigkeit“, sei es allgemein, sei es im Einzelfall.

Ich beschränke die Darstellung meiner ‚Standpunkte‘ auf Aspekte, bei denen ich davon ausgehe, dass sie zur Abrundung meiner wissenschaftlichen Lehren beitragen. Die „grünen Seiten“ haben also nichts mit Twitter, Facebook o.ä. zu tun. Insoweit kann man sich fröhlich auf die Kölsche Weisheit beschränken: „Jede Jeck is anders“ - und die sich daraus ergebende Konsequenz, dass jeder „nach seiner eigenen Facon glücklich werden“ mag.

 


Gelbe Seiten:  Juristenausbildung

 

 

Ein wiederum völlig anderes Problem ist die Frage, wie man Studenten den Lehrstoff vermittelt, den sie für Ihre Ausbildung und Examina benötigen. Diese Aufgabe bedingt eine andere Themenauswahl und andere Methoden sowie eine unterschiedliche Vorgehensweise bei Studienanfängern, Fortgeschrittenen und Examenskandidaten.

Die grundlegende Besonderheit bei Fragen der Juristenausbildung besteht aber in Folgendem: In der Hochschullehre werden wissenschaftliche Erkenntnisse, methodische Erfordernisse, eigene und abweichende Auffassungen, reale zeitbedingte Gegebenheiten und subjektive Einschätzungen (insbesondere aufgrund von Lehr- und Prüfungserfahrungen) mehr oder weniger strukturiert zusammengefasst, m.a.W. bunt gemischt. Die Ausbildungsliteratur belegt dies eindrucksvoll. Und die Kombination dieser völlig unterschiedlichen Aspekte ist hier nicht nur unvermeidlich, sondern hilfreich, wenn man beachtet, was systematisch wo hingehört.

© 2017 | Prof. Dr. Gerhard Wolf, Europa Universität Viadrina    -   Letzte Änderung: 24.02.2017 TOP Seitenanfang