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Brandenburg Brandanschlag in Bernau: Mordversuch mit Benzin - eine rechtsextreme Tat?

Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder)

 

21 Kls 10/01
244 Js 2146/01 Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder)

Landgericht Frankfurt (Oder)

Im Namen des Volkes

Urteil

in der Strafsache

g e g e n

1. M. S.,
geboren am xx. 03.1980 in B.,
wohnhaft: xxx
Deutscher, ledig,
- in dieser Sache vorläufig festgenommen am 16.01.2001 und aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts B. (x Gs xxx/01) vom 17.01.2001 seit diesem Tag in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt F. -,

2. H. H.
geboren am xx.05.1982 in B.,
wohnhaft: xxx
Deutscher, ledig,
- in dieser Sache vorläufig festgenommen am 16.01.2001 und aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts B. (x Gs xxx/01) vom 17.01.2001 seit diesem Tage in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt F.

3. M. R., geb. L.,
geboren am xx.01.1983 in F.,
wohnhaft: xxx
Deutscher, ledig,
- in dieser Sache vorläufig festgenommen am 16.01.2001 und aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts B. (x Gs xxx/01) vom 17.01.2001 seit diesem Tage in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt L.

4. M. S., geborener K.,
geboren am xx.01.1972 in B.,
wohnhaft: xxx
Deutscher, ledig,
- in dieser Sache vorläufig festgenommen am 16.01.2001 und aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts B. (x Gs xxx/01) vom 17.01.2001 seit diesem Tage in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt N., Untersuchungshaft unterbrochen zur Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen in anderer Sache in der Zeit vom xx.03.2000 - xx.07.2001

5. C. B., geborener W.,
geboren am xx.11.1977 in L.,
wohnhaft: xxx
Deutscher, ledig,
- in dieser Sache vorläufig festgenommen am 16.01.2001 und aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts B. (x Gs xxx/01) vom 17.01.2001 seit diesem Tage in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt N.

w e g e n versuchten Mordes u. a.

hat die 1. große Strafkammer - Jugendkammer - in der Hauptverhandlung am 06.07., 10.07., 13.07., 17.07., 19.07. und 20.07.2001, an der teilgenommen haben:

Vorsitzender Richter am Landgericht xxx
als Vorsitzender,
Richterin am Landgericht xxx und
Richter am Amtsgericht xxx
als beisitzende Richter,
Frau xxx und
Herr xxx
als Schöffen,

Staatsanwältin xxx
als Beamtin der Staatsanwaltschaft,

Rechtsanwalt H.
als Verteidiger für den Angeklagten zu 1.,
Rechtsanwalt H.
als Verteidiger für den Angeklagten zu 2.,
Rechtsanwältin G.
als Verteidigerin für den Angeklagten zu 3.,
Rechtsanwalt B.
als Verteidiger für den Angeklagten zu 4.,
Rechtsanwalt U.
als Verteidiger für den Angeklagten zu 5.,

Herr T. am 10.07., 13.07.,
17.07., u. 20.07.2001
als Nebenkläger,

Rechtsanwältin F.
als Nebenklägervertreterin,

Justizobersekretär S. am 06.07.2001 und
Justizsekretärin S. am 10.07., 13.07., 17.07., 19.07. u. 20.07.2001
als Urkundsbeamte der Geschäftsstelle,

am 20.07.2001

für R e c h t erkannt:

1.

Die Angeklagten sind des versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung so wie der gefährlichen Körperverletzung schuldig.

2.

Es werden verurteilt:

a) der Angeklagte H.

unter Einbeziehung des Urteils des Amtsgerichts B. vom xx.10.2000, Aktenzeichen: x Ls xxx Js xxx/00 (xx/00) zu einer Einheitsjugendstrafe in Höhe von

10 (zehn) Jahren;

b) der Angeklagte S.

unter Einbeziehung des Urteils des Amtsgerichts B. vom xx.12.1999, Aktenzeichen: x Ls xxx Js xxx/99 (xx/99), zu einer Einheitsjugendstrafe in Höhe von

8 (acht) Jahren;

c) der Angeklagte R. zu einer Einheitsjugendstrafe von

7 (sieben) Jahren und 10 (zehn) Monaten;

d).der Angeklagte S. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe in Höhe von

14 (vierzehn) Jahren;

e) der Angeklagte B. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe in Höhe von

15 (fünfzehn) Jahren.

3.

Die Angeklagten S. und B. tragen die Kosten des Verfahrens und ihre notwendigen Auslagen, sowie die Kosten und Auslagen der Nebenklage.

4.

Es wird davon abgesehen, den Angeklagten H., S. und R. Kosten und Auslagen aufzuerlegen.

Angewendete Vorschriften:
§§ 239 Abs. 1, 3 Nr. 2, 226 Abs. 1 Nr. 3, 224 Abs. 1 Nr. 4, 211, 22, 23, 49, 52, 53 StGB;

bzgl. H. und S. zusätzlich:
§§ 1, 74, 105 JGG;

bzgl. R.:
§§ 1, 3, 74 JGG;

bzgl. B. und S.:
§ 21 StGB.

Gründe:

I.
In der Nacht vom 15. zum 16.01.2001 misshandelten die Angeklagten den 21jährigen T. in B., übergossen ihn mit Benzin und steckten ihn an. Der Geschädigte überlebte schwer verletzt.

Dem liegen folgende Feststellungen zu Grunde:

1.
Der Angeklagte M. S. wuchs als zweites Kind seiner Eltern zu Hause auf. Bereits im Kindergarten fiel eine gewisse dickköpfige Verhaltensweise auf. Er wurde 1987 siebenjährig eingeschult. Die einjährige Zurückstellung zum Schulantritt erfolgte, da der Angeklagte stotterte, was sich im Laufe der ersten Schulzeit gab. Bald aber zeigten sich erste Lernschwierigkeiten. 1991 wechselte der Angeklagte in eine Sonderschule in B.. Nach diesem Wechsel zeigten sich erste Verhaltensauffälligkeiten, er fing an zu stehlen und fuhr Moped, ohne im Besitz der hierzu erforderlichen Fahrerlaubnis zu sein. Elterliche Versuche, auf den Angeklagten einzuwirken, waren ergebnislos. Auch auf der Sonderschule wurde der Angeklagte dann zurückgestellt und musste 1997 die Sonderschule mit der 9. Klasse ohne Abschluss verlassen. Mehrere Versuche, sich danach bei verschiedenen Firmen zu bewerben, blieben erfolglos. Lediglich bei einem Personalservice war er etwa 2 Monate beschäftigt. Danach war er wieder arbeitslos. Dennoch nahm er sich Ende 1999 eine eigene Wohnung in B.. Da ihm aber die alltäglichen Probleme, insbesondere auch aufgrund notorischen Geldmangels, über den Kopf wuchsen, zog er im Januar 2000 ins Elternhaus zurück. Nach Einschätzung seiner Eltern war er nicht in der Lage, auf eigenen Füßen zu stehen und nicht in der Lage, ohne elterliche Hilfe im Leben zurechtzukommen. Im Februar 2000 lernte der Angeklagte eine Partnerin kennen, die bereits ein Kind besaß und versuchte mit ihr einen Neubeginn. Im Juni 2000 bezog er mit dieser Frau eine gemeinsame Wohnung, renovierte diese und versuchte die Basis für ein Beziehungsleben zu schaffen. Dennoch scheiterte diese Beziehung recht rasch, was den Angeklagten erheblich belastete. Die Wohnung wurde aufgelöst und der Angeklagte zog erneut zu seinen Eltern zurück.

Bereits mit 15 Jahren begann der Angeklagte Bier zu trinken. Zentrales Motiv hierfür war, dass ältere Kumpels es auch so machten. In dieser Zeit trank der Angeklagte zwei- bis dreimal in der Woche etwa 4 Bier. In der Folgezeit stieg der Alkoholkonsum beträchtlich an. Der Angeklagte trank nunmehr nahezu jeden Tag und fühlte sich dabei auch deutlich alkoholisiert, wobei der Alkohol bei ihm auch aggressionsfördernd wirkte. Im Alter von 18 oder 19 Jahren trank er täglich, bereits nach dem Frühstück, wobei er über den Tag verteilt mittlerweile etwa 15 Bier und eine Flasche Goldbrand konsumierte.

Der Angeklagte gehört seit etwa seinem 14. Lebensjahr der sogenannten Skinheadszene an und vertritt eine rechtsradikale Einstellung, die geprägt ist von Ausländerhass und Gewaltbereitschaft.

Der Angeklagte ist strafrechtlich wie folgt vorbelastet:

1.1.
Am xx.11.1995 stellte die Staatsanwaltschaft F. ein Verfahren - xx Js xxx/95 - wegen Fahrens ohne Führerschein nach § 45 Abs. 2 JGG ein.

1.2.
Am xx.02.1996 wurde ein Verfahren - x Ds xx Js xxx/95 jug (xxx/95) - wegen Diebstahls durch das Amtsgericht B. nach der Erbringung von Arbeitsleistungen und einer Ermahnung nach § 47 JGG eingestellt.

1.3.
Am xx.02.1996 wurde ein Verfahren wegen Diebstahls - xx Js xxx/96 - durch die Staatsanwaltschaft F. nach § 45 Abs. 2 JGG eingestellt.

1.4.
Am xx.01.1997 wurde ein Verfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und ohne Haftpflichtversicherung - xxx Js xx/97 - nach § 45 Abs. 2 JGG durch die Staatsanwaltschaft F. eingestellt.

1.5.
Am xx.05.1997 wurde ein Verfahren gegen den Angeklagten wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und ohne Haftpflichtversicherung - x Ds xxx Js xxx/96 jug (xx/97) - durch das Amtsgericht B. nach Erbringung von Arbeitsleistungen und einer Ermahnung gem. § 47 JGG eingestellt.

1.6.
Am xx.04.1999 verurteilte das Amtsgericht B. den Angeklagten im Verfahren xx Ls xxx Js xxx/98 jug (xx/99) - wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall und drei versuchten Diebstählen im besonders schweren Fall zur Erbringung von Arbeitsleistungen und einer Verwarnung.

1.7.
Am xx.12.1999 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. im Verfahren - x Ls xxx Js xxx/99 (xx/99) - wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr verurteilt, deren Vollstreckung für die Dauer von 2 Jahren und 6 Monaten zur Bewährung ausgesetzt wurde. Diese Entscheidung ist seit dem 31.12.1999 rechtskräftig.

Diesem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde:

"Am Abend des xx.07.1999 trafen sich die Angeklagten S., H. sowie die Zeugin F. in der Wohnung des Angeklagten S. in der P.-Straße 10 in B.. Zuvor hatte der Angeklagte S. bereits eine Flasche Wodka getrunken, da er an diesem Tag mit seiner Freundin in den Streit geriet. Wie üblich tranken alle Angeklagten erhebliche Mengen Alkohol, vor allem Bier und klaren Schnaps. Des Weiteren wurde bei offener Balkontür lautstark Musik sogenannter rechtsextremer Szenebands abgespielt. Gegen 22:00 Uhr wies der Angeklagte H. einen Blutalkoholgehalt zwischen 2,00 und 2,32 °/oo auf und der Angeklagte S. einen zwischen 1,74 und 2,14 °/oo. Bei beiden Angeklagten konnte nicht ausgeschlossen werden, dass sie in der Fähigkeit, das Unrecht einer Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, erheblich vermindert waren.

Als der in unmittelbarer Nähe wohnhafte Polizeibeamte D., der zu diesem Zeitpunkt zu einem privaten Spaziergang unterwegs war, und der seinerseits nicht mehr nüchtern war, sich gegen 21:15 Uhr gegen die Lautstärke der abgespielten Musik gegenüber den Angeklagten, die sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Balkon aufhielten, beschwerte, verließen alle Angeklagten die Wohnung und gingen zu dem auf der Straße stehenden Zeugen D., den sie als Polizeibeamten kannten. Sie diskutierten und tranken gemeinsam mit dem Zeugen über eine 3/4 Stunde, wobei es insbesondere um private Auseinandersetzungen in der Familie D. ging. Nachdem die Situation sodann gegen 22:00 Uhr eskalierte und die Angeklagten, insbesondere der Angeklagte H., bedrohliche Stellungen einnahmen, lief der Zeuge D. plötzlich Richtung Wohnblock P.-Straße. Alle Angeklagten verfolgten den Zeugen und der Angeklagte H. versetzte diesem mit beiden Händen einen kräftigen Stoß, so dass er ins Stolpern geriet. Alsdann riss der nachfolgende Angeklagte S. den Zeugen an der Jacke, wodurch dieser etwa in Höhe der Hausnummer xx bis xx hinterrücks auf den Gehweg fiel. Nunmehr traten alle Angeklagten im einvernehmlichen Zusammenwirken mit dem zwischenzeitlich hinzugeeilten Angeklagten S. gemeinsam mit ihren mit Springerstiefeln (S. und S.) bzw. schweren Halbschuhen (H.) beschuhten Füßen auf den am Boden liegenden Zeugen ein, wobei die Tritte der Angeklagten S. und H. - je ca. 7 - 10 - vorwiegend gegen Oberkörper und Rücken, die Tritte des Angeklagten S. - ca. 7 bis 8 - vor allem in den Gesichtsbereich des Zeugen gerichtet waren. Die Tritte wurden mit erheblicher Kraft ausgeführt.

Der Geschädigte D., der von den Angeklagten anschließend auf der Straße liegen gelassen wurde, erlitt infolge der zuvor beschriebenen Angriffe erhebliche Verletzungen, so unter anderem eine Unterblutung des linken Augenlides, einen Nasenbeinbruch sowie zahlreiche Prellungen und Hautabschürfungen am Kopf, an den Rippen sowie an Ellenbogen. Er wurde mit einem Notarztwagen ins Krankenhaus gefahren.

Trotz Kenntnis von den erheblichen Verletzungen des Zeugen D. gingen die Angeklagten zurück in die Wohnung S. und tranken hier weiter Alkohol. Wenige Minuten später wurden die Angeklagten vorläufig festgenommen.

2.
Der Angeklagte H. wuchs mit seiner drei Jahre älteren Schwester im Haushalt der Eltern auf. Dort bewohnte er mit seiner Schwester ein Zimmer. Er besuchte die Kinderkrippe und den Kindergarten. Schon dort gab es aggressive Auffälligkeiten, der Angeklagte kam mit anderen Kindern nicht klar. Mit 6 Jahren wurde er im Jahre 1988 in die damalige POS in B. eingeschult. Der Angeklagte wollte von Anfang an die Schule nicht besuchen und wehrte sich bewusst gegen die Einschulung. Die Mutter musste ihn anfangs zur Schule begleiten. Infolge seiner Schulangst schwänzte er dann regelmäßig die Schule. Auch unter seinen Klassenkameraden war der Angeklagte ein Einzelgänger. Gegenüber Mitschülern kam es zu Aggressionen. Die 1. und die 5. Klasse musste der Angeklagte wiederholen. Seine Schulleistungen waren insgesamt äußerst dürftig. Im Jahre 1995 verzog die Familie arbeitsbedingt nach P.. Eine durch das Jugendamt initiierte Einschulung in eine Förderschule für Erziehungshilfe brachte allerdings nur kurzzeitigen Erfolg. Der Angeklagte war mit dem abrupten Wechsel des sozialen Umfeldes überfordert. Seit März 1996 lebte die Familie dann wieder in B.. Der Angeklagte suchte und fand dort Kontakt zu seiner alten Clique und wurde dann auch in strafrechtlicher Hinsicht auffällig. In der Clique begann der Angeklagte auch Alkohol zu trinken. Dort wurde Bier getrunken, der Angeklagte trank ca. 6 Bier am Tag. Mit 15 Jahren begann er Schnaps zu trinken. Er konsumierte insbesondere Goldbrand mit Coca Cola. Am xx.11.1997 bis xx.02.1998 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. zum Zwecke der Vermeidung von Untersuchungshaft in einem Heim der Jugendhilfe in F. untergebracht.

Kurz vor diesem Zeitpunkt hatte der Angeklagte begonnen, sich der örtlichen Skinheadszene zuzuwenden. Am xx.07.1998 wurde erneut ein Haftbefehl erlassen und der Angeklagte befand sich in Untersuchungshaft bis zum xx.08.1998. Im Anschluss hieran nahm er ab Dezember 1998 in E. ein berufsvorbereitendes Jahr auf. Hier wohnte er anfänglich in einem Internat. Nach Auseinandersetzungen mit anderen Internatsbewohnern erfolgte hier jedoch die Aufkündigung des Internatsplatzes, auch wurde ihm später die gesamte Maßnahme gekündigt. Er hatte Probleme, den täglichen Arbeitsweg zu bewältigen und fühlte sich in der Ausbildung nicht wohl. Im Anschluss hieran konnte er mit Hilfe seines Vaters eine Hilfsarbeiterstellung finden. Auch dort ging er nur unregelmäßig der Arbeit nach und sprach häufig dem Alkohol zu. In der Zeit vom xx.07.1999 bis xx.12.1999 befand sich der Angeklagte erneut in Untersuchungshaft. Mittlerweile war der Angeklagte fest in der Skinheadszene etabliert, wobei er auch in die B.er Skinheadszene Eingang fand. Sein Alkoholkonsum stieg immer mehr an. Im letzten Jahr trank er jeden zweiten Tag. Um berauscht zu sein, brauchte er in dieser Zeit bereits 16 Bier. Eine zwischenzeitlich eingegangene Beziehung zu einer 19jährigen Frau, die mit ihrem Kind eine eigene Wohnung hatte, ging wieder in die Brüche.

Der Angeklagte ist wie folgt vorbelastet:

2.1.
Am xx.02.1998 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. im Verfahren - x Ls xxx Js xx/97 (x/98) - wegen Bedrohung zu einer 6-monatigen Jugendstrafe verurteilt, deren Vollstreckung für die Dauer von 2 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Des weiteren wurde der Angeklagte zur Erbringung von Arbeitsleistungen verurteilt.

2.2.
Am xx.09.1998 verurteilte das Amtsgericht B. den Angeklagten im Verfahren - x Ls xxx Js xxx/98 jug (xx/98) - wegen Diebstahls im besonders schweren Fall in 8 Fällen und davon in 4 Fällen im Versuch sowie Diebstahl zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr und 1 Monat. Die Vollstreckung dieser Jugendstrafe wurde für die Dauer von 2 Jahren und 6 Monaten zur Bewährung ausgesetzt. Einbezogen wurde die Entscheidung vom xx.02.1998 - x Ls xxx Js xxx/97 (x/98).

2.3.
Am xx.12.1999 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. im Verfahren - x Ls xxx Js xxx/99 (xx/99) - wegen einer gefährlichen Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr und 11 Monaten verurteilt. Die Vollstreckung dieser Jugendstrafe wurde für die Dauer von 3 Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Einbezogen wurde die Entscheidung vom xx.09.1998 - x Ls xxx Js xxx/98 jug (xx/98) - sowie die Entscheidung vom xx.02.1998 - x Ls xxx Js xxx/97 (x/98) jeweils des Amtsgerichts B..

2.4.
Am xx.10.2000 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. im Verfahren x Ls xxx Js xxx/00 (xx/00) wegen räuberischer Erpressung zu einer Jugendstrafe in Höhe von 2 Jahren und 8 Monaten verurteilt. In diese Entscheidung wurde das Urteil des Amtsgerichts B. vom xx.12.1999 - x Ls xxx JS xxx/99 (xx/99) einbezogen.

In dieser Entscheidung hat das Amtsgericht B. folgendes festgestellt, wobei hinsichtlich der einbezogenen Entscheidung auf die Ausführungen betreffend den Angeklagten S. auf Seite 9, Ziffer 1.7., verwiesen wird:

"Bereits kurze Zeit nach seiner letzten Verurteilung hielt sich der Angeklagte unter Missachtung seiner ihm erteilten Kleidungs- und Wohnungsauflage aus dem Bewährungsbeschluss vom xx.12.1999 in B. bei dem ebenfalls gerichtsbekannten S. F. auf. Am xx.01.2000 fuhren der Angeklagte und der Zeuge F. zusammen mit dem Zeugen Walter in dessen Fahrzeug in B. umher, wobei das Fahrzeug von dem Zeugen W. geführt wurde. Der Angeklagte sowie der Zeuge F. waren an diesem Tag skinheadtypisch gekleidet und trugen insbesondere Springerstiefel.

Gegen 01.00 Uhr des xx.01.2000 lief zeitgleich der Geschädigte T. P. im Bereich zwischen S.-Straße und B.-Straße, zwischen den Hausnummern xx - xx, vorbei. Als der Angeklagte den Zeugen P. wahrnahm veranlasste er, dass der Pkw Golf, amtliches Kennzeichen: x-xx xxx, der von dem Zeugen W. gesteuert wurde, vor dem Zeugen mit quietschenden Reifen anhielt. Der Angeklagte, der den Geschädigten nicht kannte und als Beifahrer im Pkw saß, verließ nun denselben und ging auf den Geschädigten zu. Er schubste den Geschädigten an der rechten Schulter zurück und frage ihn, ob eine Zecke sei.

Sodann schlug er ihn mit der rechten Hand gegen das Kinn mit einem leichten Schlag und fragte den Geschädigten nach Zigaretten. Da dieser angab, Nichtraucher zu sein, forderte der Angeklagte nunmehr von dem Geschädigten die Herausgabe von Geld. Aufgrund der vorangehenden Gewaltanwendung sowie der insgesamt für den Geschädigten bedrohlichen Situation holte dieser aus seiner Tasche einen 50-DM-Schein, den er dem Angeklagten gab. Die Zeugen F. und W. mischten sich in das Geschehen nicht ein und warteten derweil auf den Angeklagten. Unter Mitnahme des erlangten Geldes sowie dem Hinweis an den Zeugen, dass er keine Anzeige erstatten solle, verließ der Angeklagte mit dem genannten Pkw und den Zeugen F. und W. den Tatort. Der Angeklagte war zum Zeitpunkt des Geschehens angetrunken."

3.
Der Angeklagte M. R. wurde als erstes Kind seiner Mutter H. R., geborene L., geboren. Zum Zeitpunkt der Entbindung war die Kindesmutter 17 Jahre alt.. Mit Erreichen der Volljährigkeit heiratete sie den Kindesvater, D. R., mit dem sie fortan in einer 1-Zimmer-Wohnung lebte. Im Vorschulalter besuchte der Angeklagte eine Kindertagesstätte. Als seine Mutter im Jahre 1984 zum zweiten Mal schwanger war, verbüßte der Vater gerade eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten. Am xx.01.1985 wurde die Schwester des Angeklagten geboren. Die Eltern des Angeklagten ließen sich zweimal scheiden. 1986 erfolgte die erste Scheidung. Nach seiner Haftentlassung nahm seine Mutter ihren geschiedenen Ehemann jedoch wieder auf und heiratete ihn erneut. Im Jahr 1989 erfolgte wiederum die Scheidung. Im selben Jahr wurde der Angeklagte R. altersgerecht eingeschult. Er hatte erhebliche Lernprobleme und zum Zeitpunkt der Einschulung auch enorme Sprachschwierigkeiten. Die 1. Klasse musste er wiederholen. Nach Abschluss des 2. Schuljahres wurde er in die 4. Klasse der Förderschule umgesetzt. 1986 wurde die Jugendhilfe erstmals auf Grund mangelnder Zuwendung für die Kinder auf die Familie R. aufmerksam. Die Mutter ging nur unregelmäßig ihrer Arbeit nach. Beide Elternteile konsumierten übermäßige Mengen an Alkohol. Der Angeklagte wurde von seinem Vater oftmals misshandelt. Auch seine Mutter wurde von seinem Vater zusammengeschlagen und musste mehrfach ins Krankenhaus. Auch von seiner Mutter wurde der Angeklagte misshandelt. Schon im Alter von 4 bis 5 Jahren wurde er mit diversen Gegenständen verprügelt. Nach der 2. Scheidung nahm der Alkoholkonsum der Mutter noch zu. Der Angeklagte R. wurde dann bei den Großeltern untergebracht. Die Mutter wechselte häufig ihre Lebenspartner, welche ihrerseits ebenfalls alkoholkrank waren. Der 2. Partner der Mutter lebte lediglich einige Wochen bei der Familie. Der 3. Partner war ebenfalls alkoholkrank und lebte ca. 1 1/2 Jahre bei der Familie. Auch von diesem wurde der Angeklagte häufig verprügelt und misshandelt. Der 4. Lebenspartner der Mutter war ebenfalls Alkoholiker und hatte den Angeklagten als auch seine Schwester misshandelt. Der Angeklagte war während seiner gesamten Kindheit und seiner Jugendzeit permanenten Misshandlungen und. gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Die Schulleistungen waren katastrophal, in der 7. Klasse wurden keine Benotungen mehr vorgenommen. Nach 11 Jahren Schulzeit erhielt er das Abgangszeugnis in der 8. Klasse. Mehrfach fand der Angeklagte Aufnahme im Kinder- und Jugendnotdienst. Den permanenten Übergriffen konnte sich der Angeklagte nur durch Flucht aus dem Elternhaus erwehren. 1996 spitzte sich die Lage zu. Der Angeklagte R. begann nun auch straffällig zu werden. Gleichzeitig begann er regelmäßig Alkohol zu konsumieren. Am xx.07.1997 wurde gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Haftverschonend wurde er am xx.09.1997 in eine Jugendeinrichtung nach Seelow entlassen. In der Folgezeit schloss sich der Angeklagte einer Gruppe von Skinheads an. Der Alkoholkonsum nahm zu, der Angeklagte war nunmehr oftmals nicht nur angetrunken, sondern auch betrunken. Die Mutter verzog in der Folgezeit in den Landkreis M.. Nach Vollstreckung der letzten Freiheitsstrafe wurde der Angeklagte am 19.09.2000 entlassen und auf Anraten der JVA im "P.-haus." in B. (einer Jugendeinrichtung) aufgenommen. Eine bereits vor Inhaftierung begonnene psychotherapeutische Behandlung wurde fortgesetzt, welche dann aber nach 2 Monaten wegen fehlender Kostenübernahme durch die AOK unterbrochen werden musste. Der Kontakt zur Mutter intensivierte und verbesserte sich in dieser Zeit. Innerhalb des P.-hauses waren mittlerweile Probleme mit anderen Jugendlichen und Heranwachsenden entstanden, wegen derer der Angeklagte mit der Jugendgerichtshilfe des Landeskreises M. Kontakt aufnahm, um für sich ein Betreutes Wohnen im Landkreis M. zu erreichen. Hierzu kam es nicht mehr, weil der Angeklagte kurze Zeit später wegen der hier begangenen Tat erneut in Untersuchungshaft kam.

Der Angeklagte ist wie folgt vorbelastet:

3.1.
Am xx.05.1998 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht F. im Verfahren - xx Ls xxx Js xx/97 - wegen sexuellen Missbrauch eines Kindes in Tateinheit mit Vergewaltigung sowie Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren verurteilt, deren Vollstreckung für die Dauer von 3 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde.

3.2.
Am xx.07. 1999 verurteilte das Amtsgericht F. den Angeklagten im Verfahren - xxx Ls xxx Js xx/99 - wegen einer Brandstiftung, Diebstahl in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Sachbeschädigung zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten. Einbezogen wurde die Entscheidung vom xx.05.1998 - xx Ls xxx Js xx/97 - des Amtsgerichts F.. Die Strafvollstreckung war am xx.09.2000 erledigt.

4.
Der Angeklagte M. S. ist bei seiner Mutter aufgewachsen. Zu seinem Vater hat er keine Beziehung. Die Ehe seiner Eltern ist seit 1978 geschieden. Die Mutter hat wieder geheiratet. Mit 6 Jahren wurde der Angeklagte eingeschult. Er erreichte den Abschluss der 10. Klasse, wobei seine Leistungen bis zur 5. Klasse gut waren. Danach gab es schulische Probleme. Die 10. Klasse bestand er aber mit einer Note von 2,5. Nach der Schule begann er mit einer Ausbildung als Fleischer in einer Ausbildungsstelle in B.. Aufgrund einiger Fehltage wurde diese Stelle gekündigt. Nach etwa 1 Jahr setzte er seine Lehre bei seinem Stiefvater, der ebenfalls von Beruf Metzger ist, fort. Von seinem Stiefvater wurde er beachtlich geschlagen. Mit 15 Jahren versuchte er, sich diesen Schlägen erstmals durch Flucht von zu Hause zu entziehen. Er wohnte bei einem Kumpel und in einem Auto. Durch die Polizei wurde er wieder nach Hause gebracht. Der Angeklagte war in der Folgezeit erneut von zu Hause abgängig und fand zwischenzeitlich in einer Zeltgemeinschaft in Mühlenbeck eine Unterkunft und er ernährte sich in dieser Zeit von Erlösen aus Einbrüchen. Nach vollstreckten Strafen wohnte er 1994 eine zeitlang im "P.-haus" in B. und zog dann in das Schwesternheim in B. Seit 1995 wohnte er in H. mit seiner Verlobten zusammen. Von dieser Zeit an bis zum Jahr 2000 arbeitete er im Gerüstbau. Die Verlobte war Krankenschwesterschülerin. Mit dieser hat der Angeklagte zwei Kinder im Alter von 5 und 6 Jahren. Das erste Kind wurde 1996 und das zweite Kind 1998 geboren. 1999 wurde diese Beziehung aufgrund zunehmender Konflikte durch den Angeklagten beendet und er richtete sich eine eigene Wohnung ein. Im Sommer 2000 wurde er von seiner Firma wegen mangelnder Aufträge betriebsbedingt gekündigt. In der Folgezeit ging es dem Angeklagten schlecht, er ließ sich hängen und lernte im November den Mitangeklagten H. kennen. Er kümmerte sich nicht mehr um eine weitere Arbeitsstelle. Mietschulden liefen an und seine Wohnung wurde gekündigt.

Mit 14 Jahren hat der Angeklagte erstmals Alkohol konsumiert, aber bis zu seinem 18. Lebensjahr selten Alkohol getrunken. In seiner Zeit in Mühlenbeck und später im Schwesternheim begann er regelmäßig größere Mengen Alkohol, insbesondere Bier und Schnaps, zu trinken. Seit 1999 trank der Angeklagte Bier und Schnaps und zwar etwa alle drei Tage 6 Flaschen Bier und etwas Schnaps. Wenn er mit den Mitangeklagten H. und B. zusammen war, konnten zu dritt auch drei Stiegen Bier getrunken werden, regelmäßig wurde dann bereits in der Mittagszeit angefangen, Alkohol zu trinken.

Er ist strafrechtlich bislang wie folgt in Erscheinung getreten:

4.1.
Am xx.11.1990 wurde das Verfahren - (G xx S) - xx-xx 90 - wegen Diebstahls durch die Staatsanwaltschaft B. nach § 45 Abs. 2 JGG eingestellt.

4.2.
Am xx.02.1992 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht Tiergarten in B. im Verfahren - x JU JS xx/92 Ls - wegen gemeinschaftlichen besonders schweren Diebstahls in zwei Fällen sowie gemeinschaftlichen Diebstahl geringwertiger Sachen zu einer Jugendstrafe von 6 Monaten verurteilt, deren Vollstreckung für die Dauer von 3 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde.

4.3.
Am xx.10.1992 wurde der Angeklagte durch das Kreisgericht B. im Verfahren - x Ls xx JU JS xxx/92 - wegen schweren Diebstahls in 8 Fällen, Diebstahl in 5 Fällen, Hehlerei, Erpressung und räuberischer Erpressung in 2 Fällen zu einer Jugendstrafe von 19 Monaten verurteilt.

4.4.
Am xx.11.1992 wurde das Verfahren - xx PLS xxx/92 VE-JU wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Vergehens gegen das Pflichtversicherungsgesetz durch die Amtsanwaltschaft B. nach § 45 Abs. 1 JGG eingestellt.

4.5.
Am xx.10.1993 wurde durch das Kreisgericht C. nachträglich nach § 66 JGG eine einheitliche Jugendstrafe in Höhe von 1 Jahr und 10 Monaten gebildet. Einbezogen wurde die Entscheidung des Amtsgerichts Tiergarten vom xx.02.1992 - x JU JS xxx/92 - sowie die Entscheidung des Kreisgerichts B. vom xx.10.1992 - x Ls xx JU JS xxx/92.

4.6.
Am xx.04.1995 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht O. im Verfahren - xx Cs xxx/95, xx VRs xxx/98 - wegen Diebstahls geringwertiger Sachen zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 40,- DM verurteilt.

4.7.
Am xx.06.1995 wurde der Angeklagte im Verfahren - x Ls xx Js xxx/94 jug (xx/94) - durch das Amtsgericht B. wegen versuchten Diebstahls geringwertiger Sachen, zugleich mit Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten verurteilt, deren Vollstreckung für die Dauer von 4 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Strafe wurde mit Wirkung vom xx.10.1999 erlassen.

4.8.
Am xx.09.1997 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. im Verfahren - xxx Ds xxx/97 - wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten verurteilt, deren Vollstreckung für die Dauer von 3 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde.

4.9.
Am xx.05.1999 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht O. im Verfahren - xxx Js xxx; xx Cs xxx/99 - wegen Betruges zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30,00 DM verurteilt.

4.10.
Am xx.11.2000 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. im Verfahren - xx Js xxx/00; xx Ds xxx/00 - wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in 2 Fällen zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je 30,00 DM verurteilt. Gleichzeitig wurde eine Sperrfrist für die Neuerteilung einer Fahrerlaubnis bis zum xx.11.2002 ausgesprochen.

5.
Der Angeklagte C. B. wuchs bei seinem Vater auf. Seine Mutter kennt er nicht. In der Zeit seines Aufwachsens lebte der Vater zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit zwei Frauen zusammen. Als der Angeklagte ca. 8 bis 9 Jahre alt war, kam die erste Lebensgefährtin des Vaters in die Familie. Sie lebte dort ca. 1 Jahr. Zwischen einer weiteren mehrjährigen Lebensgefährtin des Vaters und dem Angeklagten kam es zu erheblichen Spannungen. Auch das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und seinem Vater gestaltete sich zunehmend problematisch. 1995/1996 warf ihn der Vater aufgrund zunehmender Streitigkeiten aus der Wohnung.

Der Angeklagte wurde 6-jährig 1984 eingeschult. Er war von Anfang an ein schlechter Schüler. Bereits in der 1. Klasse blieb er sitzen. Auch die 6. Klasse musste der Angeklagte wiederholen. Er besuchte danach eine 6. Klasse Förderschule, schwänzte aber von Anbeginn den Unterricht und zog mit einer Gruppe von "Kumpels" durch G.. Zu dieser Zeit begann der Angeklagte auch erste Straftaten zu begehen. 1990 kam er in ein Heim in G. und blieb dort für 3 Jahre. In dieser Zeit wurde er auch ein festes Mitglied der rechtsradikalen "Kameradschaft G.". Dort wurde er von einem älteren Mann, mit dem er sich gut verstand, aufgenommen. Mit etwa 13 Jahren begann der Angeklagte regelmäßig kleinere Diebstähle zu begehen. Im Alter von 16 Jahren wurde er aus dem Heim herausgeworfen, nachdem es auch dort zunehmend zu Konflikten gekommen war. Er kehrte dann zum Vater zurück, wobei sich die Schwierigkeiten aber fortsetzten. Der Angeklagte ging nur noch gelegentlich zur Schule und erhielt nach insgesamt 8 Schuljahren ein Zeugnis der 6. Klasse. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits fest in die "Kameradschaft G." integriert. Im Alter von etwa 17 Jahren nahm der Angeklagte über ein halbes Jahr hinweg an einem Berufsvorbereitungsjahr "Metall" teil. Danach brach er es ab. Vorher war er als "Ferienschüler" im Tiefbau beschäftigt gewesen. Ein erneutes vom Arbeitsamt angebotenes Berufsvorbereitungsjahr brach er nach 3 Wochen ab. Am xx.02.1997 wurde der Angeklagte erstmals festgenommen. Gegen ihn erging Haftbefehl. Nach Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wurde er am xx.09.1999 entlassen und kam durch Vermittlung einer Sozialarbeiterin in das "P.-haus" (Betreutes Wohnen) P-Straße nach B.. Dort blieb er insgesamt 1 Jahr und 2 Monate.

Ein in der Haft absolviertes 1. Lehrjahr als Teilezurichter Metall konnte der Angeklagte mit Einstieg in ein 2. Lehrjahr in E. Anfang 2000 fortsetzen. Allerdings wurde er dort nach ca. 1/2 Jahr wegen einer mehrmonatigen Krankschreibung entlassen. Für 2 oder 3 Wochen war er über eine Zeitarbeitsfirma im B.er Betonwerk beschäftigt gewesen und wurde auch dort wieder entlassen. Eine Beschäftigung bei einer Bäckerei als Sortierer wurde ihm ebenfalls wegen zahlreicher Krankschreibungen gekündigt. Anfang Oktober 2000 musste der Angeklagte das "P.-haus" verlassen, da er trotz Alkoholverbots im "P.-haus" Alkohol konsumiert hatte. Er zog dann zu dem von dem Gericht in dieser Sache als Zeugen gehörten Zeugen Z. in das Nebenhaus. 1994/1995 erlebte der Angeklagte bei einer Party der "Kameradschaft G." seinen ersten Vollrausch. Danach blieb er ca. 1 Jahr vollständig alkoholabstinent, um in der Folgezeit bei den Zusammentreffen mit seinen Skinheadkameraden nahezu täglich wieder Alkohol zu trinken. Dabei wurde regelmäßig Bier konsumiert, seltener auch Schnaps, wobei der Angeklagte aber nicht täglich betrunken war. Gelegentlich kam es hierbei auch zu dem Genuss enormer Trinkmengen.

Der Angeklagte ist strafrechtlich bislang wie folgt in Erscheinung getreten:

5.1.
Am xx.02.1993 wurde ein Verfahren wegen Diebstahls - xx Js xxx/92 - durch die Staatsanwaltschaft G. nach einer Ermahnung gem. 45 Abs. 3 JGG eingestellt.

5.2.
Am xx.09.1994 wurde ein Verfahren wegen Unterschlagung und Familiendiebstahls - xxx Js xxx/94 - durch die Staatsanwaltschaft G. nach § 45 Abs. 2 JGG eingestellt.

5.3.
Am xx.03.1995 verurteilte das Amtsgericht G. den Angeklagten im Verfahren - xxx Js xxx/94 x Ds - wegen besonders schweren Diebstahls in 5 Fällen zu einem Jugendarrest von 2 Wochen.

5.4.
Am xx.06.1995 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht G. im Verfahren - xxx Js xxx/94 - wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung in Tatmehrheit mit schwerer gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung jeweils in 2 Fällen zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr verurteilt, deren Vollstreckung für die Dauer von 2 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde.

5.5.
Am xx.05.1996 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht G. im Verfahren - xxx Js xxx/96 x Ds jug - wegen gemeinschaftlich begangenem Diebstahl in 3 Fällen sowie Hausfriedensbruch zu einem Jugendarrest von 2 Wochen und einer Verwarnung verurteilt.

5.6.
Am xx.08.1996 wurde das Verfahren - xxx Js xxx/96 - wegen Diebstahls geringwertiger Sachen durch die Staatsanwaltschaft G. nach § 45 Abs. 1 JGG eingestellt.

5.7.
Am xx.12.1996 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht G. im Verfahren - xxx Js xxx/96 x Cs - wegen Diebstahls geringwertiger Sachen in 2 Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit Hausfriedensbruch zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 15,00 DM verurteilt.

5.8.
Am xx.02.1997 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht G. im Verfahren - xxx Js xxx/96 x Cs jug - wegen Diebstahls geringwertiger Sachen zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 10,- DM verurteilt.

5.9.
Am xx.10.1997 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht G. im Verfahren - xxx Js xxx/97 x Ls jug - wegen Raubes, gemeinschaftlichen Diebstahls in 7 Fällen, Diebstahls in 9 Fällen, versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls, gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch in 20 Fällen sowie Sachbeschädigung zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren und 10 Monaten verurteilt. In diese Entscheidung wurde die Entscheidung des Amtsgerichts G. vom xx.06.1995 mit einbezogen.

5.10.
Am xx.06.2000 wurde der Angeklagte durch das Amtsgericht B. im Verfahren - xxx A Cs xxx/00 - wegen einer falschen Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 25,- DM verurteilt.

II.

1.

Die Angeklagten S. und B. kannten sich seit längerer Zeit. Sie waren miteinander befreundet. Beide lebten jeweils eine Zeit lang in der Jugendeinrichtung "P.-haus" in B.. Aus dieser Zeit kannten sie auch den von der Kammer als Zeugen gehörten 30 Jahre alten Herrn Z., der zur Tatzeit in einer eigenen Wohnung in der P-Straße lebte und dem Angeklagten B. dort Unterkunft bot.

H. und S. waren gleichfalls miteinander befreundet.

Der Angeklagte R. kannte die Angeklagten mit Ausnahme von S. seit etwa Dezember 2000. Er lebte seit seiner letzten Inhaftierung aufgrund einer erzieherischen Maßnahme nach dem KJHG im "P.-haus". Er kannte den später von den Angeklagten gemeinsam geschädigten T. aus ihrer gemeinsamen Zeit im "P.-haus".

Was die Angeklagten B., S., H. und S. miteinander verbindet, ist ihre rechtsradikale Lebensauffassung: Sie bezeichnen sich als Skinheads. Äußerlich waren die vier gekennzeichnet von kahlgeschorenen Köpfen als auch Tätowierungen am ganzen Körper, teilweise mit Bezug zu ihrem Gedankengut (z.B. am rechten Oberarm von H. "Hass", auf seinem Kopf eine Art von Spinnennetz). B. und S. trugen Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln, um damit ihre Gewaltbereitschaft nach außen für andere erkennbar zu demonstrieren. Die weißen Schnürsenkel stehen für "White Power".

Der Angeklagte R. bemühte sich, von der rechtsradikal orientierten Gruppe anerkannt zu werden. Seine Bemühungen fanden allerdings keine Rückkoppelung bei den übrigen Angeklagten. Sie duldeten R., ohne dass sie ihn als vollwertiges Gruppenmitglied akzeptierten. R. war für sie kein überzeugter "Rechter". Die letzten Wochen vor dem 15.01.2001 verbrachten die Angeklagten mit wechselseitiger Beteiligung, wobei der Angeklagte S. sich im wesentlichen mit dem Angeklagten H. verbunden fühlte, mit dissozialen Verhaltensweisen. Sie lebten in den Tag hinein und hatten sich zur Lebensmaxime gemacht, Partys zu feiern, was im wesentlichen bedeutete, rechte Musik zu hören und Alkohol zu trinken. Während derartigen Feiern tauschten sie auch ihr rechtsradikales Gedankengut aus.

2.
Die Ereignisse in der Nacht vom 15. zum 16.01.2001 gliedern sich in 4 Abschnitte: Die Festnahme des T., sein Verhör, die Folter und zuletzt die versuchte Exekution des T.

Am 15.01.2001 trafen sich die Angeklagten H., R., B. und S. in den Abendstunden - eine genaue Uhrzeit konnte die Kammer nicht feststellen - in der Wohnung des Zeugen Z. in der P.-Straße x in B.. Z. war ein Bekannter von R., H. und S. - B. wohnte bei ihm - und stellte gelegentlich seine Wohnung zum Partyfeiern in rechten Kreisen zur Verfügung. Auch der Angeklagte R. war bereits zuvor mehrmals Gast in Z. Wohnung und feierte gemeinsam mit den Skinheads Parties. Auch am 15.01.2001 hatten die Angeklagten B. und S. kahlgeschorene Köpfe und trugen Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln. Im Verlauf des Abends, den sie mit dem Hören rechter Musik und dem gegenseitigen "Scharfmachen" verbrachten, diskutierten sie über eine vermeintliche Strafanzeige wegen einer Körperverletzung gegen eines ihrer Gruppenmitglieder. Im Verlauf der Diskussion unterhielt man sich darüber, wer wohl als Anzeigenerstatter in Betracht käme. Der Verdacht konzentrierte sich auf den Geschädigten T., den alle anwesenden Angeklagten aus der Jugendeinrichtung, dem "P-haus" in B. kannten.

Bei dieser Einrichtung handelt es sich um ein Haus für Betreutes Wohnen, das von einem Sozialarbeiter geleitet wird. Diese Einrichtung nimmt junge ehemalige Strafgefangene auf und begleitet sie auf ihrem weiteren Lebensweg in einer Art von Betreutem Wohnen. Allerdings konnte die Kammer feststellen, dass dieser Einrichtung jegliches Konzept für eine sozialpädagogisch untermauerte Betreuung fehlt. Weder verfügt der die Einrichtung leitende Sozialpädagoge über Kenntnisse, welche Art von ehemaligen Straftätern er zu betreuen hat (Vorgeschichten sind nicht bekannt), noch existiert eine pädagogische Begleitung, die über eine Beherbergung der ehemaligen straffälligen Jugendlichen und Heranwachsenden hinausgeht. Was im einzelnen mit den Bewohnern therapeutisch erarbeitet wird, erschloss sich der Kammer nicht. Auch gibt es keinerlei Kontrollen über Anwesenheiten und dergleichen. Dritten ist der Zutritt zu den Wohngruppen jederzeit möglich.

Die Angeklagten B. und S. bewohnten ihrerseits das "P.-haus". S. lebte hier etwa bis 1994; B. noch bis relativ kurz vor der Tat vom 15./16.01.2001. Der Angeklagte B. musste das "P.-haus" wegen Fehlverhaltens verlassen und lebte seitdem in der Wohnung des Zeugen Z.. Sowohl der Angeklagte R. als auch der Geschädigte T. lebten im "P.-haus". R. bezeichnete sich als eine Art Freund von T., wobei der Begriff der Freundschaft eher einen symbolischen Charakter hatte.
Im Verlauf des Abends kam der Angeklagte H. auf die Idee, T. in der Wohnung von Herrn Z. in ihrer Anwesenheit wegen der vermuteten Anzeigenerstattung zur Rede zu stellen. Er beauftragte die Angeklagten B. und R. in das "P.-haus", das sich neben der Wohnung Z. befand, zu gehen und T. von dort abzuholen. Weil er wusste, dass T. dem Angeklagten R. vertrauen würde, sollte R. auf jeden Fall mitgehen und auf T. einreden, damit dieser mitkomme. Etwa gegen Mitternacht, begaben sich daraufhin R. und B. in das Nachbarhaus, das "P-haus", das wie immer unverschlossen war, und suchten den bereits schlafenden T. in seinem Zimmer auf. Sie weckten ihn und forderten ihn auf, mit in die Wohnung von Herrn Z. zu kommen, weil man sich mit ihm dort unterhalten wolle. T. reagierte auf die Aufforderung verwundert und ahnte nichts Gutes, weil er die Gewaltbereitschaft als auch Skinhead-Zugehörigkeit von H., S. und B. kannte. Er selbst hatte mit "rechten Gruppen" nichts zu tun; R. bezeichnete T. als "Kiffer" . T. ließ sich zunächst zum Schein auf R. und B. ein. In einem günstigen Augenblick ergriff er die Flucht. Es gelang ihm, aus seinem Zimmer zu rennen und aus dem Hinterausgang des "P.-hauses" zu gelangen. Allerdings war er nicht schnell genug, um B. und R. zu entkommen. B. und R. eilten ihm hinterher und hielten ihn schließlich fest. Nach einer kurzen Phase der Erörterung folgte T. den beiden aus Angst und ließ sich widerwillig zur Wohnung Z. führen. Alle drei erreichten die Wohnung von Z. etwa gegen 0.00 Uhr bis 0.30 Uhr des l6.01.2001. In der Wohnung angekommen, traf T. auf die Angeklagten H., S. und den Zeugen Z. - S. war noch nicht anwesend.

B. und R. berichteten gegenüber H., dass T. versucht hätte, zu flüchten. Daraufhin schlug der Angeklagte H. T. sofort mit der Hand ins Gesicht. Nunmehr stellte er den Geschädigten zur Rede und fragt ihn, ob er eine Anzeige gegen sie wegen Körperverletzung erstattet hätte. T. bestritt dies. Die Gruppe diskutierte nunmehr mit ihm über diese Anzeige. Im Verlauf dieser Diskussion geriet schließlich auch der Angeklagte R. in Verdacht, Verursacher der Anzeige gewesen zu sein. Nachdem die Angeklagten weiterhin dem Alkohol zugesprochen hatten, telefonierte der Angeklagte H. zwischen 1.00 Uhr und 1.30 Uhr mit seinem Freund, dem Angeklagten S.. Er rief ihn an und sagte zu ihm, dass er in die Wohnung von Herrn Z. kommen solle, man würde eine Party feiern und ein Kunde sei auch da. Mit dem Begriff, ein Kunde sei auch da, wird in Skinheadkreisen jemand bezeichnet, der der Szene nicht angehört. Der Angeklagte S., der den Abend bis zum Anruf bereits mit dem Genuss von alkoholischen Getränken verbrachte, machte sich von W. bei B. mit dem Fahrrad auf den Weg. Dabei legte er eine Strecke von ca. 16 km zurück und traf etwa gegen 2.15 Uhr in der Wohnung von Herrn Z. ein. Dort traf er auch auf den ihm bislang unbekannten T., der zu dieser Zeit bereits ein gerötetes und geschwollenes Gesicht hatte. S. brachte zur "Party" etwa 6 bis 8 Büchsen helles Bier a 0,5 Liter mit. Inzwischen - zeitnah zu seinem Eintreffen in der Wohnung - erzählte ihm H., was sich bisher ereignet hatte.

Der Angeklagte H. kam jetzt sogleich auf die Idee eines Zweikampfes zwischen dem Angeklagten R. und T.. Hierbei sollte sich zeigen, wer die Anzeige erstattet hatte. Der Zeuge Z., der die ganze Zeit anwesend war, hatte Angst um sein Wohnungsinventar. Er forderte R. und T. auf, auf seine Schrankwand Rücksicht zu nehmen. In dem anschließenden Kampf zwischen den beiden gelang es T., dem Angeklagten R. einen Zahn auszutreten. Weil entgegen der Erwartung des Angeklagten H., R. nicht in der Überhand war, griff er nunmehr in den Kampf ein und fordert T. auf, seine Schuhe auszuziehen und künftig still zu halten. Weil sich T. weiterhin gegen die Schläge von R. zur Wehr setzte, mischten sich jetzt alle anderen Angeklagten ein und schlugen mit Händen und Fäusten gleichermaßen auf T. ein. Auch traten sie ihn mit ihren Füßen. Es konnte nicht festgestellt werden, ob die Angeklagten S. und B. hierbei noch ihre Springerstiefel trugen. Auch konnte nicht festgestellt werden, wer von den Angeklagten wie oft und welche Schläge und Tritte gegen T. führte, er wurde jedenfalls von allen fünf Angeklagten geschlagen und getreten, so dass er Hämatome und Schwellungen im Gesicht erlitt. Als sich alle Angeklagten einmischten und T. niederschlugen, wehrte sich dieser aufgrund der Übermacht nicht mehr. Nachdem T. etliche Schläge abbekommen hatte, beruhigte sich die Situation in der Wohnung. Die Angeklagten tranken weiter Bier und feierten ihre Party. Währenddessen erholte sich T. von den Schlägen und Tritten. Er hatte Angst vor der Übermacht der Angeklagten und fürchtete weitere Misshandlungen, wenn er versucht, zu flüchten. Zudem saßen die Angeklagten um ihn herum, so dass er nicht ohne weiteres fliehen konnte. Schließlich wandte sich der Angeklagte H. abermals T. zu. und fing an, ihn zu demütigen. Immer wieder redete er auf T. ein und verlangte von ihm zu erklären, ob er "Rechts" oder "Links" sei. Schließlich forderte er von ihm, er solle sagen, dass er eine "Schwuchtel" sei. Während dessen schlug H. auf T. wieder mit Fäusten ein, egal welche Antwort er gab. Während dessen saßen alle Angeklagten zusammen in dem Zimmer von Herrn Z. und amüsierten sich über das Geschehen. Zwischendurch gab es Pausen, die mit Musikhören und Bier gefüllt wurden. Wer an diesem Abend wieviel Biere getrunken hat, war im einzelnen nicht feststellbar. Während sich die Situation abermals für eine gewisse Zeit für T. entspannte, wurde weiter gefeiert, ohne dass noch weitere Misshandlungen an T. vorgenommen wurden. Durch die kräftigen Schläge erlitt T. Hautrötungen, Hämatome, als auch deutlich sichtbare Schwellungen im Gesicht.

Im weiteren Verlauf des frühen Morgens des 16.01.2001 kam der Angeklagte H. auf die Idee, T. zu beseitigen, was er den anderen Angeklagten erläuterte. H. befürchtete, T. werde sie alle bei der Polizei wegen der vorausgegangenen Schläge und Tritte anzeigen. Alle übrigen Angeklagte teilten diese Überlegung. Sie befürchteten aufgrund der bei allen Angeklagten bestehenden erheblichen strafrechtlichen Vorbelastungen, die Angeklagten S. und S. standen zur Tatzeit sogar unter Bewährung, wegen der langen und schweren Misshandlungen des T. hart bestraft zu werden. Die Gruppe der fünf Angeklagten fing daraufhin an, offen zu diskutieren, auf welche Art und Weise sie T. beseitigen könnten. T., der zu diesem Zeitpunkt zwar sichtbare Zeichen von körperlichen Misshandlungen trug, war weder bewusstlos noch in seiner Wahrnehmungsfähigkeit beachtlich eingeschränkt, so dass er auch alle nachfolgenden Gespräche der Angeklagten mithören konnte, was die Angeklagten auch ausdrücklich in ihren Tatplan aufgenommen hatten. Während der offenen Diskussion schlug einer von ihnen vor, T. abzustechen. Daraufhin schlug der Angeklagte H. vor, "der müsse ganz weg, anzünden ist besser". Sodann diskutierten die Angeklagten S. und H. offen weiter darüber, "ob man mit Benzin einen Menschen vollständig verbrennen könne". Zuvor warf der Angeklagte S. die Frage auf, wie viel Benzin fürs "Abbrennen" erforderlich sei. Der Angeklagte H. bekräftigte den Plan, T. "abzubrennen", weil damit sämtliche Beweise vernichtet werden würden. Damit meinte er die deutlich sichtbaren Spuren von Misshandlungen am Körper des Geschädigten. Im Verlauf der weiteren, eine längere Zeit andauernden Diskussionen kamen alle Angeklagten überein, T. mittels Benzin zu verbrennen.

T. hörte die gesamte Diskussion, auf welche Weise er umgebracht werden solle, mit an. Dabei war es allen Angeklagten aufgrund der bei ihnen bestehenden gefühllosen und unbarmherzigen Gesinnung nicht nur egal, dass sie hierdurch bei dem Geschädigten grauenhafte Angst und Verzweiflung erregen konnten, sie wollten dies vielmehr, um an dem Geschädigten ihre Macht zu demonstrieren.

Etwa gegen 4.30 Uhr gingen H. und S., dem gemeinsamen Tatplan aller folgend, unter Mitnahme einer etwa 1,5 Liter fassenden lehren Cola-Flasche zur E.-Tankstelle nahe der P.-Straße in B. Es war ein kurzer Fußweg, den sie ohne erkennbare äußeren Beeinträchtigungen zurücklegten. An der E.-Tankstelle angekommen, betankte der Angeklagte S. die Plastikflasche mit einer Menge von etwa 1 Liter Kraftstoff. Im Anschluss daran begab sich der Angeklagte H. zu dem Kassierer der Tankstelle und bezahlte das Benzin. Der Kassierer der Tankstelle wollte den beiden den Kraftstoff zunächst nicht verkaufen, weil Benzin nicht in eine Plastikflasche gefüllt werden darf. Dem entgegnete der Angeklagte H., dass er das Benzin lediglich für sein Moped benötige, mit dem er nach B. fahren wolle. Der Tankwart, der den Angeklagten H. von vorangegangenen Einkäufen in der Tankstelle her kannte, ließ die beiden schließlich gewähren und kassierte um 4.48 Uhr des 16.01.2001 von H. den Kaufpreis für das Benzin ab.

Während H. und S. das Benzin holten, gingen die übrigen Angeklagten mit T. dem gemeinsamen Tatplan folgend zum Bahnübergang in der Nähe der P.-Straße.. Dort wollten sie sich mit H. und S. treffen. Auf dem Fußweg dorthin, nahmen sie T. in ihre Mitte, so dass dieser nicht wegrennen konnte. T. war darüber hinaus noch von den vorangegangenen Schlägen eingeschüchtert, so dass er auch deshalb nicht flüchtete. Einer der Angeklagten ging voraus, während rechts und links und hinter T. die übrigen liefen. Am Bahnübergang angekommen, flehte T. die Angeklagten R., S. und B. an, ihn doch laufen zu lassen. Während S. erklärte, er werde mit H. darüber reden, H. solle das bestimmen, äußerte B., dass sie ihn nicht laufen lassen könnten. Als H. und S. ihrerseits den Bahnübergang mit der Flasche Benzin in ihrem Rucksack erreichten, liefen alle gemeinsam zu Fuß weiter in Richtung einer Pferdekoppel, die sich in der Nähe der Bahngleise befindet. Diesen etwas abgelegenen und ruhigen 0rt hielten sie für ihr weiteres Vorhaben, T. mit dem Benzin zu übergießen und ihn anzustecken, für geeignet. Während des Fußweges nahm einer der Angeklagten einen etwa faustgroßen Stein mit, um T. später damit niederschlagen zu können. Wer den Stein aufnahm, konnte nicht geklärt werden. Als die Angeklagten am geeigneten Tatort, an einen kleinen Graben jenseits der Bahngleise ankamen, forderte der Angeklagte H. T. auf, sich auszuziehen, da er dann besser brenne. Inzwischen war es etwa 5.25 Uhr. Die Außentemperaturen lagen deutlich unter 0 Grad. T. fing daraufhin an, zu weinen und flehte alle Angeklagten an, ihn nicht umzubringen. Die Angeklagten unter Führung des Angeklagten H., ließen sich von dem Gefühlsausbruch von T. nicht im geringsten beeindrucken. Sie setzten ihren ausführlich über eine längere Zeit hinweg erörterten und geplanten Tatplan fort. Während alle Angeklagten etwa 1 Meter entfernt um den Geschädigten T. herumstanden und H. und S. noch eine Bierbüchse austranken, forderte der Angeklagte H. den Angeklagten R. auf, T. mit dem Stein jetzt niederzuschlagen. Der Angeklagte R. schlug ihn daraufhin mit dem Stein leicht gegen seinen Kopf. Indes stürzte T. gleichwohl zu Boden und lag nunmehr nackt vor allen Angeklagten. S. trat einen Schritt auf Geheiß des Angeklagten H. aus der Gruppe hervor und goss das gesamte Benzin aus der Flasche über den Körper des am Boden Liegenden. Durch die Benzindämpfe fing T. an, zu husten. Nunmehr nahm der Angeklagte R. wieder auf Geheiß des Angeklagten H. ein Feuerzeug zur Hand und versuchte T. an den Füßen anzustecken. Mehrmals musste er das Feuerzeug betätigten, weil es sich nicht sogleich entflammte. Schließlich - nach zahlreichen Versuchen - entzündete sich eine Flamme, die T. ergriff und als deutlicher Verpuffungsknall zu hören war. T. brannte. Geistesgegenwärtig wälzte er sich schreiend am Boden, so dass es ihm gelang, das Feuer zu löschen. Die übrigen Angeklagten hatten sich, während R. T. ansteckte, bereits ein paar Meter vom Tatort entfernt. Als sie bemerkten, dass T. das Feuer löschen konnte und flüchtete, rief der Angeklagte H. den Angeklagten S. und B. zu, sie mögen T. folgen, weil dieser abhaue. Die Angeklagten B. und S. setzten ohne zu Zögern T. nach, um ihn festzuhalten und um ihr Werk zu beenden. Während S. infolge einer Fußverletzung nicht so richtig hinterherkam, setzte B. T. nach, konnte ihn aber nicht mehr erreichen. T. gelang es, sich für einen kurzen Augenblick in einem auf einem Feld liegenden Kanalrohr zu verstecken, so dass er für die Angeklagten in der Dunkelheit nicht mehr sichtbar war. Nach einer ganz kurzen Verweildauer verließ er sein Versteck und rannte in Richtung einer in der Nähe des Tatortes befindlichen F.-Tankstelle. Dort erzählte er der Kassiererin der Tankstelle, dass er angezündet worden sei und Hilfe benötige. Um 5.35 Uhr wurde durch das Tankstellenpersonal der Rettungsdienst verständigt und kurz darauf die Polizei. T. wurde infolge der deutlich erkennbaren schweren Brandverletzungen nach Vornahme der ersten Notfallmaßnahmen sofort in das für die Behandlung von Hautverbrennungen bekannte Spezialkrankenhaus in B. verbracht.

Währenddessen flüchteten B. und S. getrennt; der Angeklagte B. flüchte in die Wohnung von Herrn Z., wo er gegen 6.45 Uhr von der Polizei ergriffen werden konnte. Er versteckte sich beim Eintreffen der Polizei hinter einem Sofa. Auch die übrigen Angeklagten flüchteten, konnten aber kurze Zeit später festgenommen werden.

Bei allen Angeklagten wurde ein Draeger-Alkoholtest gemacht, aufgrund dessen bei den Angeklagten H., S. und B. Blutalkoholuntersuchungen angeordnet wurden. Die um 7.45 Uhr des 16.01.2001 dem Angeklagten H. entnommene Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 2,31 mg/g; die um 7:54 Uhr dem Angeklagten S. entnommene Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,99 mg/g; die um 7:35 Uhr dem Angeklagten B. entnommene Probe ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,13 mg/g.

Infolge des Anzündens erlitt der Geschädigte insbesondere am ganzen Oberkörper und den Armen und Beinen massive Verbrennungen 1., 2. und 3. Grades. Es bestand Lebensgefahr.

T. wurde für die Dauer von etwa 3 Wochen in ein künstliches Koma versetzt. Es erfolgte ein Luftröhrenschnitt, der seine Beatmung ermöglichte, als auch eine künstliche Ernährung. Während dieser Zeit erfolgten in der Spezialklinik insgesamt 7 Hautoperationen. Dabei entnahmen die Mediziner ihm zum einen Hautflächen von unverbrannten Stellen, die sie aufarbeiteten und auf die verbrannten Stellen verpflanzten. Zum anderen wurde durch ein medizinisch relativ neues Verfahren eine Art von künstlicher Haut auf der Basis von Hautbestandteilen hergestellt und verpflanzt. Der Geschädigte ist noch heute von der Schwere der Brandverletzungen gezeichnet. Sein gesamter Oberkörper, als auch Arme und Beine sind mit massiven Vernarbungen gekennzeichnet. Infolge der Hauttransplantationen hat er Schwierigkeiten, die Körpertemperatur entsprechend den äußeren Einflüssen zu regeln. Die Hautpartien sind nicht in der Lage, durch Schweißabsonderungen mit erhöhten Außentemperaturen zurechtzukommen. T. ist nach wie vor krankgeschrieben und muss sich täglich zweimal mit einer Spezialcreme eincremen und eine besondere Unterwäsche tragen, die Stütz- und Schutzfunktionen auf die "neuen" Hautpartien auswirkt. Die geschädigten Hautpartien dürfen keiner Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden und bedürfen einem hohen Pflegeschutzaufwand. Sein ganzes Leben lang wird er deutlich sichtbare Kennzeichen der schweren massiven Brandverletzungen behalten, die geeignet sind, auch auf sein seelisches Befinden dauerhaft einzuwirken. Infolge der Verletzungen wird auch seine berufliche Tätigkeit künftig eingeschränkt bleiben.

3.

Am 21. Mai 2001 hinterließ der Angeklagte R. in seiner Haftzelle auf einem Holzteil seines Bettes folgendes:

"Ich grüße alle B.er, F.er Skins und Blood and Honnor für Doitschland. Ich bin wegen versuchten Mordes an einem Kiffer hier den wir angezündet haben, das ist voll cool, das müßt ihr auch mal probieren o.k.Ich grüße jedenfalls alle Skinheads und bis dann wir sehen uns alle mal.
gez. R. M.
(Odin)"

III.

Die Angeklagten S., H. und B. haben sich in der Hauptverhandlung zur Sache nicht eingelassen. Sie werden überführt durch die glaubhaften Bekundungen des als Zeugen gehörten T. sowie den Geständnissen der Angeklagten R. und S. und dem weiteren Ergebnis der Beweisaufnahme, deren Umfang sich aus der Sitzungsniederschrift ergibt. Die Feststellungen zur Person der Angeklagten S., R. und H. beruhen auf dem Bericht der Jugendgerichtshilfe als auch den insoweit übereinstimmenden Angaben der Angeklagten gegenüber denen insoweit als Zeugen gehörten Psychiatern Dr. H. (H. und S.) sowie Dr. K. (R.). Der Angeklagte S. hat sich selbst auch zu seinem Lebenslauf eingelassen.

Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten B. beruhen die Feststellungen auf seiner Einlassung gegenüber den insoweit als Zeugen gehörten Dr. K., der den Angeklagten psychiatriert hat.

1.
Der Angeklagte R. hat die Tat im einzelnen so geschildert, wie dies in den Feststellungen seine Niederschrift gefunden hat. Zwar kam sein Geständnis spät, nämlich erst nachdem der Geschädigte T. als Zeuge vernommen wurde, gleichwohl hat die Kammer keinen Zweifel, dass der Angeklagte R. die Wahrheit gesagt hat und die übrigen Angeklagten nicht zu Unrecht von ihm belastet wurden. Für die Glaubhaftigkeit des Geständnisses und seine Glaubwürdigkeit spricht der Detailreichtum und die Übereinstimmung mit dem Geständnis des Angeklagten S. und den Bekundungen des Geschädigten T., selbst aber auch den Bekundungen der Zeugen Z. und dem Tankstellenangestellten M.. Auch ist der Angeklagte glaubwürdig. Er selbst hat sich nämlich erstmals in der Hauptverhandlung schwer belastet, in dem er einräumte, selbst derjenige gewesen zu sein, der den Geschädigten T. schließlich angesteckt habe. Er habe das getan, was H. verlangt habe. Offen legte der Angeklagte R. die Tatbeiträge der anderen Angeklagten dar und er war sich sicher, dass auch B. und S. sich unmittelbar am Tatort aufhielten als S. T. mit dem Benzin übergoss. Ferner legte er dar, dass H. derjenige gewesen sei, der die Ideen gehabt habe. Alle anderen seien seinen Vorschlägen gefolgt. Zum Alkohol befragt erklärte er, er selbst habe sich gut gefühlt, weil er nach seiner Einschätzung an dem Abend etwa 2 bis 3 große Büchsen helles Bier etwa zur Hälfte ausgetrunken habe. Zwar hätten die anderen Angeklagten einige Biere - wie viel wisse er nicht - mehr getrunken. Jedoch seien alle ohne Auffälligkeiten in den frühen Morgenstunden nach den Gesprächen über die Tötung losgezogen. Jeder habe gewusst, dass T. verbrannt werden sollte und alle seien zielstrebig aus der Wohnung gegangen; H. und S. zur Tankstelle. S. und H. seien von der Tankstelle mit jeweils einer Bierbüchse in der Hand zurückgekommen. Einer von ihnen hätte zu ihm gesagt, er solle auf dem Weg einen Stein mitnehmen, was er, R., getan habe. Mit dem Stein habe er auf Anweisung von H. T. niederschlagen sollen, was er auch getan habe. Allerdings habe er nicht vor gehabt, T. mit dem Stein zu verletzen. Deshalb habe er auch nicht kräftig zugeschlagen. Dies habe er zuvor T. zugeflüstert. Zuvor habe H. zu T. gesagt: "Klamotten aus, brennt besser".

Auf die Frage, weshalb er T. angesteckt habe, erklärte der Angeklagte R., er habe Angst vor H. gehabt, H. hätte ihn in der Vergangenheit bereits einmal geschlagen gehabt. Deshalb habe er sich nicht getraut, sich ihm zu widersetzen.

Dem folgt das Gericht so nicht. Mag auch der Angeklagte R. eine gewisse Angst vor dem dominanten H. gehabt haben, so war diese doch keinesfalls derart überwältigend, dass sie sein Handeln geprägt hat. Denn zum einen ist der Angeklagte R. selbst gewalterfahren. Als er in der Hauptverhandlung über seine mutmaßlichen Ängste gegenüber dem Angeklagten H. redete, fügte er sogleich hinzu, seinerseits aber bereits einem anderen ein Messer an den Hals gehalten zu haben. Zum anderen vermochte er nicht zu erklären, weshalb er sich nachhaltig an den zahlreichen Misshandlungen des Geschädigten beteiligt hat, ohne sich dabei zurückzuhalten. Nicht nachvollziehbar ist zudem seine Behauptung, dass er bei dem Zuschlagen mit dem Stein T. nicht verletzen wollte. Denn gleichwohl schlug er ihn zu Boden und unternahm selbst zahlreiche Versuche, das Feuerzeug zu entzünden. Zum anderen hat er noch im Mai 2001 in seiner Haftzelle zum Ausdruck gebracht, dass er seine Tat für richtig hält und andere dazu ermutigt, dies auch einmal zu probieren. Auf die Frage des Gerichts, ob er der Verursacher des Textes sei, bekundete er, dass er dies niedergeschrieben habe, der Inhalt aber etwas anders gewesen sei. Inwieweit der Inhalt anders gewesen sei, vermochte er nicht darzulegen. Dass der Angeklagte R. Urheber des Textes ist, folgt aus der glaubhaften Aussage der als Zeugen gehörten Justizwachtmeisterin Ml.. Die Zeugin bekundete, dass sie diesen Text in einer dienstlichen Meldung so niedergeschrieben habe, wie er auf dem Bett des Angeklagten R. niedergeschrieben stand. Der Text sei einheitlich gewesen und stamme von einer Person. Das Gericht hatte keine Zweifel an den Bekundungen der Zeugin. Die Zeugin hat auch kein Interesse, den Angeklagten R. zu Unrecht zu belasten. Zudem hat das Gericht allseits Fotos in Augenschein genommen, die den Textinhalt belegen sollen. Die Schrift ist einheitlich aus einer Hand geschrieben. Die Unterschrift R. stimmt mit der Unterschrift des Angeklagten R. unter seiner polizeilichen Vernehmung überein. Zudem hat der Angeklagte den Textinhalts und seine Verantwortlichkeit nicht mehr abgestritten. Insoweit hatte der Angeklagten R. schon zur Tatzeit keine sein Handeln bestimmende oder steuernde Ängste gegenüber H..

2.
Das Geständnis des Angeklagten R. wird zudem durch das Geständnis des Angeklagten S. bestätigt. Auch S. hat im einzelnen glaubhaft dargelegt, wie es zu der Tat gekommen sei, was im einzelnen in der Wohnung von Herrn Z. passiert sei, bis hin zu der Idee, T. umzubringen. Auch S. konnte sich an die einzelnen Abläufe, so wie sie in den Feststellungen ihre Niederschrift gefunden haben, erinnern. Er legte gleichermaßen wie R. dar, dass H. die Ideen gehabt hätte und auch gesagt hätte, was zu tun sei. Hinsichtlich der vermeintlichen Strafanzeige erklärte er, dass es nach seiner Erinnerung um eine Anzeige gegangen sein soll, die R. gegen B. oder H. erstattet hätte, genaueres wisse er aber nicht. Er habe wie auch R., S., H. und B. auf T. eingeschlagen und ihn mit Füßen getreten. Später sei dann in Gegenwart von T. besprochen worden, wie man ihn beseitigen könne. Er, S., habe dies alles für einen Spaß gehalten. Es sei nicht ernst gemeint gewesen. Er sei davon ausgegangen, dass man T. Angst machen wolle. T. hätte während des Weges von der Wohnung von Z. zum späteren Tatort weglaufen können. Er, S., sei einige Meter hinter ihm gelaufen. Auch am eigentlichen Tatort habe er sich nachher selbst nicht mehr befunden. Er habe die Flamme gesehen und zuvor die Verpuffung gehört. Er sei dem Geschädigten hinterhergelaufen, als H. gerufen habe, hinterherlaufen. Auch der Angeklagte B. habe alles nur für einen Spaß gehalten. Der Angeklagte S. meinte, auch B. habe sich nicht am Tatort befunden, als T. angesteckt worden sei. Sie seien etliche Meter entfernt gewesen und hätten nicht gesehen, was dort passiert sei. Richtig sei, dass er und B. am Bahnübergang von T. gebeten wurden, ihn laufen zu lassen, was sie beide verneint hätten.

Soweit der Angeklagte S. sich darauf eingelassen hat, er habe alles für einen Spaß gehalten und sich nicht am Tatort befunden, handelt es sich um eine reine Schutzbehauptung, der das Gericht nicht folgt. Das Gericht ist vielmehr davon überzeugt, dass auch der Angeklagte S. bereits zu Beginn der Diskussionen um die Tötungsart davon überzeugt war, dass der Geschädigte T. zur Verhinderung einer Strafanzeige bzgl. der zuvor begangenen Körperverletzung getötet werden solle. Es war gerade der Angeklagte S., der mit H. intensiv die Tötungsart erörtert hatte und Zweifel daran angebracht hatte, ob man mit der Menge von etwa 1 Liter Benzin einen Menschen vollständig verbrennen könne. Das Gericht ist auch davon überzeugt, dass der Angeklagte S., wie auch die anderen Angeklagten, dem Geschädigten zudem seelische Qualen zufügen wollte, indem er offen vor ihm mit dem Angeklagten H. die Tötungsmodalitäten und insbesondere die Möglichkeit des Tötens durch Verbrennen diskutierte. Zu keinem Zeitpunkt wollten die Angeklagten, insbesondere die Angeklagten S. und B., den Geschädigten T. lediglich nur in Angst versetzen. Die Kammer ist davon überzeugt, dass die Tat, so wie sie schlussendlich ausgeführt wurde, von Anfang an von allen Tatgenossen geplant wurde. Alle Angeklagten wussten, dass sie aufgrund der vorherigen erheblichen Misshandlungen des T. auch im Hinblick auf die bei ihnen bestehenden strafrechtliche Vorbelastungen mit harten Strafen zu rechnen hatten. Zudem standen S. und S. unter laufender Bewährung. Soweit der Angeklagte S. sich dahin eingelassen hat, er und der Mitangeklagte B. hätten sich in dem Moment des Anzündens nicht mehr am Tatort befunden, wird auch dies gleichermaßen durch das Geständnis des Angeklagten R. widerlegt. Auch durch die Bekundungen des Geschädigten T. und des Zeugen Z. werden alle Angeklagten überführt. Der zur Überzeugung der Kammer glaubwürdige Zeuge T. hat glaubhaft geschildert, dass unmittelbar vor dem zu Bodenschlagen und Anzünden alle Mitangeklagten um ihn herumgestanden hätten, wobei die Abstände zwischen ihm und den Angeklagten nur ganz unerheblich differiert hätten. Auch konnte er sich daran erinnern, dass H. und B. ihn aus seinem Zimmer quasi abgeholt hätten, er zunächst geflüchtet aber von H. und R. wieder gestellt worden sei. Aus Angst vor allen Angeklagten, die später in der Wohnung auf ihn eingeschlagen und eingetreten hätten, habe er sich nicht getraut, zu flüchten. Bis zuletzt habe er gehofft, dass die Angeklagten ihn laufen lassen würden. Er habe sie weder angezeigt noch einen Grund für ihr Verhalten geliefert. Er habe auch nicht weglaufen können, weil die Angeklagten ihn nicht gehen ließen und ihn quasi bewacht hätten, später direkt neben ihm gelaufen seien, so dass eine Flucht nicht möglich gewesen sei.

Die Kammer ist der Überzeugung, dass der Geschädigte T. die Wahrheit gesagt hat. Er hat ohne jeglichen Belastungseifer das Geschehen dargestellt. Zwar konnte er sich heute nicht mehr daran erinnern, dass sich die Angeklagten in seiner Gegenwart in der Wohnung offen über die beabsichtigten Tötungsarten unterhielten. Hierzu bekundete er, dass er erst später beim Verlassen der Wohnung mitbekommen habe, dass er verbrannt werden solle.

Dies erklärt sich für das Gericht aus der schweren Traumatisierung, die der Geschädigte infolge seiner Verletzungen erlitten hat, als auch als Folge des künstlichen bei ihm hervorgerufenen Komas.

Der von dem Gericht gehörte Zeuge Dr. H., der den Geschädigten im Krankenhaus B. M. bei seiner Einlieferung untersuchte und behandelte, legte glaubhaft und nachvollziehbar das vollständige Verletzungsbild des Zeugen T., wie es in den Urteilsfeststellungen niedergeschrieben ist, als auch die schwierigen und langandauernde Behandlung nebst der Bewusstlosigkeit dar. Der Zeuge Dr. H. als auch der Gerichtssachverständige Dr. V., Facharzt für Gerichtsmedizin, führten aus, dass derartige Verletzungen infolge der komplizierten langen Behandlungsdauer verbunden mit dem Koma zu gewissen Erinnerungslücken führen können. Dies ist für das Gericht nachvollziehbar und belegt zugleich die Glaubwürdigkeit des Zeugen und die Glaubhaftigkeit seiner gesamten Aussage. Denn durch die eingeräumte Erinnerungslücke zeigt der Zeuge, dass er ausschließlich darüber bekundet, was sich noch in seiner Erinnerung befindet. Eine überschießende Belastungstendenz ist auch deshalb seiner Aussage nicht zu entnehmen.

Zudem bestätigt der vom Gericht als Zeuge gehörte Z. die Geständnisse von S. und R. hinsichtlich der Ereignisse in der Wohnung. Zwar war der Zeuge Z. in der Hauptverhandlung zunächst nicht bereit, auszusagen, weil er sich aus psychischen Gründen vernehmungsunfähig fühlte. Jedoch war er zur Aussage bereit, nachdem der Gerichtssachverständige Dr. K., Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, den Zeugen auf seine Vernehmungsfähigkeit hin untersuchte und diese in der Hauptverhandlung den Beteiligten gegenüber für gegeben bestätigte. Nach den nachvollziehbaren Ausführungen des Arztes war der Zeuge zur Zeit der Vernehmung aufgeregt, verängstigt und psychisch labil. Sein Befinden stünde einer zeitlich auf etwa 15 Minuten begrenzten, gegebenenfalls mit Pausen unterbrochenen Vernehmung, nicht entgegen. Der Zeuge habe sich inzwischen beruhigt. Das Gericht fand diese Einschätzung bestätigt und den Zeugen insoweit für vernehmungsfähig. Bei seiner anschließenden Vernehmung bekundete der Zeuge, er könne sich heute nicht mehr an die Einzelheiten des Geschehens in seiner Wohnung erinnern. Er erinnere sich noch, dass er befürchtet habe, die Angeklagten könnten bei der Schlägerei zwischen R. und T. seine Einrichtung beschädigen. Ferner bekundete er, dass T. von allen auch von R. geschlagen worden sei; im übrigen wisse er heute nichts mehr. Er habe bei der Polizei alles erzählt. Dies sei auch wahr. Auf Vorhalt bestätigte er, dass die Angeklagten in Gegenwart von T. offen über dessen Tod durch Verbrennen geredet hätten. H. habe gesagt, "den zünden wir jetzt an". S. habe eine leere Flasche ergriffen und alle seien dann losgegangen.

Widersprüche haben sich nicht gezeigt. Die Aussage ist glaubhaft, wenngleich der Zeuge mit leiser Stimme und den Kopf nach unten gerichtet bekundete. Seine Aussage stimmt mit der Einlassung des Angeklagten R. und S. überein. Weshalb Z. seinerseits die Todesdrohungen gegenüber T. nicht ernst genommen hat, vermochte er nicht darzulegen. Hierzu schwieg er.

Die Kammer sieht es daher als erwiesen an, dass bereits in der Wohnung des Zeugen Z. im Beisein T. die Tötung durch Verbrennen erörtert wurde.

Darüber hinaus wird diese Einschätzung auch durch die Aussage des Angeklagten S. vor dem Ermittlungsrichter bestätigt.

3.

Der Angeklagte S. hat in seiner richterlichen Vernehmung vom xx.03.2001 vor dem Amtsgericht B. angegeben, die anderen vier Beschuldigten hätten beschlossen, dem Geschädigten T. Angst zu machen und zu diesem Zweck hätten sie ihn anzünden wollen, was sie ihm gesagt hätten. Lediglich aus Angst vor H. habe er das Benzin über den Geschädigten geschüttet und er habe nicht gewollt, dass T. wirklich angezündet werde. Nachdem er, nach H.´s Aufforderung, das Benzin über den am Boden liegenden T. gegossen habe, sei er zu H. gegangen und habe zu ihm gesagt, dass es jetzt reiche und dass sie jetzt gehen würden. Zwischenzeitlich habe allerdings R. T. diesen mit einem Feuerzeug angezündet.

Soweit der Angeklagte S. seine Tatbeteiligung abschwächt, folgt ihm das Gericht nicht, weil die glaubhaften Aussagen des Zeugen T. und die Geständnisse der Angeklagten S. und R. dem entgegenstehen.

Dass der Angeklagte S. das Benzin in die Flasche füllte, folgt aus den Geständnissen von R. und S. als auch den Bekunden von Z., der sah, dass S. die leere Flasche ergriff. Zudem bekundete der als Zeuge gehörte Tankstellenbeschäftigte M., dass der ihm bekannte H. mit einer zweiten Person am Tattag kurz vor 4.48 Uhr an seiner Tankstelle 1,04 Liter Normalbenzin in eine Kunststoffflasche füllte. Dies habe die zweite Person getan, während H. bezahlte. Er habe H. zunächst das Betanken der Flasche nicht gestatten wollen, weil dies unzulässig sei. H. habe ihm daraufhin erklärt, dass er das Benzin für sein Moped benötige und damit nach B. wolle. Dies habe er, M., geglaubt und die beiden deshalb die Flasche füllen lassen. Aufgefallen sei ihm dabei nichts weiter; das Füllen der Flasche sei ohne zeitliche Verzögerungen erfolgt. Exakt um 4.48 Uhr habe H. gezahlt und die beiden seien gegangen. An die Zeit könne er sich erinnern, weil die Kasse sie auf dem Beleg festhalte.

4.
Die Tatbeteiligung des Angeklagten B. wird auch durch seine eigene Einlassung in seiner verantwortlichen polizeilichen Vernehmung vom 16. Januar 2001 bestätigt. Der hierzu als Zeuge gehörte Polizeibeamte S., der den Angeklagten vernommen hat, bekundete, B. habe sich ihm gegenüber dahingehend eingelassen, dass er bei der Tat dabei gewesen sei. R. habe T. angesteckt. Ferner habe er sich dahingehend eingelassen, dass er sich bereits etwa 15 Meter vom Tatort entfernt aufgehalten habe, als R. T. angesteckt habe. Er habe damit nicht zu tun haben wollen. Die als Zeugin gehörte Polizeibeamtin Y. bekundete, ihr gegenüber habe B. auch eingeräumt, T. geschlagen zu haben. An diesem Teilgeständnis hat das Gericht keine Zweifel und es sieht den Angeklagten insgesamt als überführt an. Insoweit folgt dies schon aus dem Ergebnis der vorangegangenen Beweiswürdigung zu Ziffer l - 4 der Urteilsgründe.

5.
Die festgestellten Verletzungen beruhen auf den glaubhaften Angaben des Zeugen T. sowie auf dem Gutachten des Sachverständigen Dr. V., Facharzt für Rechtsmedizin, der T. unmittelbar nach der Tat im Krankenhaus B. aufgesucht hat. Er hat dargelegt, dass die Brandwunden etwa 75 bis 80 % des Körpers des Geschädigten bedeckten; davon eine Fläche von 7,5 % mit Verbrennungen 3. Grades. Ferner stellte er Hämatome und Schwellungen im Kopfbereich (Gesicht), die Folge stumpfer Gewalteinwirkungen seien, fest. Durch das Einatmen heißer Benzindämpfe sei es zu einem Inhalationstrauma der Atmungsorgane gekommen. Die Verletzungen, insbesondere die Verbrennungen, seien akut lebensgefährlich gewesen. Ohne sofortige ärztliche Hilfe und ohne eine optimale Versorgung der Brandwunden und die Anwendung neuester Behandlungsmethoden in der Spezialklinik wäre T. mit hoher Wahrscheinlichkeit verstorben. Darüber hinaus bekundete der sachverständige Zeuge Dr. H. glaubhaft und nachvollziehbar, dass der Geschädigte dauerhaft vernarbt sein wird und weitere Operationen erforderlich werden könnten.

Die Feststellungen zu den verbliebenen Schäden, den Vernarbungen, dem Pflegeaufwand und den körperlichen dauerhaften Einschränkungen beruhen darüber hinaus auf den Bekundungen des Zeugen T.. Dieser legte im Detail die noch heute deutlich sichtbaren großflächigen starken Vernarbungen seiner Haut und den täglichen Pflegeaufwand und seine Einschränkungen, er vertrage keine höheren Temperaturen, könne an den transplantierten Hautstellen nicht schwitzen, müsse ständig ein Stützkorsett tragen und sei nach wie vor arbeitsunfähig. Auch werde er später nach Abschluss der Behandlung dauerhaft beruflich und kosmetisch beeinträchtigt bleiben. Dies bestätigte der Zeuge Dr. H..

6.
Die als Zeugin gehörte Frau Dr. L., Notärztin, bekundete, dass sie am 16.01.2001 um 5.35 Uhr alarmiert worden sei und die erste medizinische Versorgung des Brandopfers gewährleistet habe.

7.
Die als Zeugin gehörte Tankstellenbeschäftigte H. H. bekundete, sie habe am 16.01.2001 gegen 5.00 Uhr die F. Tankstelle in B. geöffnet. Nach ihrem Empfinden sei gegen 5.40/5.45 Uhr eine nackte Person gekommen, die gesagt habe, sie sei angezündet worden und benötige Hilfe. Sodann habe sie den Notruf 110 verständigt.

Die Aussagen der Zeuginnen Dr. L. und H. sind glaubhaft. Hinsichtlich des Zeitpunktes, zu dem der Geschädigte die Tankstelle erreichte ist davon auszugehen, dass dies kurze Zeit vor der Verständigung des Notarztes erfolgt ist. Denn die Zeugin H. hatte keine sichere Erinnerung an diesen Zeitpunkt. Hingegen konnte die Zeugin Dr. L. verbindlich infolge der Dokumentation von Notarzteinsätzen, den Zeitpunkt ihrer Verständigung, 5.35 Uhr, angegeben. Deshalb bestehen keine Zweifel, dass T. schon vor 5.35 Uhr die Tankstelle erreicht haben muss.

8.
Die weiteren vom Gericht gehörten Zeugen vermochten die Angeklagten weder zu entlasten noch bekundeten sie zu den Feststellungen Abweichendes.

IV.

1.
Die Angeklagten haben sich einer gefährlichen Körperverletzung gem. § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB strafbar gemacht, indem sie gemeinschaftlich handelnd T. mit Fäusten geschlagen und mit ihren Füßen getreten haben. Es entsprach dem gemeinsamen Tatplan, T. in der Nacht vom 15. zum 16.01.2001 durch kräftige Schläge an der Gesundheit zu verletzen. Diesem Tatplan folgend, traten und schlugen sie gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden des 16.01.2001 auf den Geschädigten ein. Durch die kräftigen Schläge erlitt T. Hautrötungen, Hämatome, als auch deutlich sichtbare Schwellungen im Gesicht. Dabei hat jeder der Angeklagten mindestens einmal selbst zugeschlagen. Sie handelten mithin vorsätzlich, rechtswidrig und schuldhaft, wenngleich B. und S. vermindert schuldfähig waren, was noch auszuführen, ist.

2.
Darüber hinaus haben sich die Angeklagten des versuchten gemeinschaftlichen Mordes gem. §§ 211 Abs. 1, Abs. 2, 212, 21, 23, 25 Abs. 2 StGB strafbar gemacht. Die Angeklagten haben gemeinsam geplant, T. zu töten. Offen sprachen sie schon in der Wohnung des Zeugen Z. über die Einzelheiten der Tatplanung. Sie wollten T. mit Benzin übergießen und ihn anschließend anstecken. Die Angeklagten haben als Mittäter unmittelbar zur Verwirklichung des gefassten Tatplans angesetzt. Jeder von ihnen hat einen eigenen Tatbeitrag geleistet. Alle Angeklagten haben in Tötungsabsicht T. aus der Wohnung von Z. zum weiteren späteren Tatort geführt. Dabei haben sie Sicherungsfunktionen ausgeübt, damit der Geschädigte nicht fliehen kann. Dies haben sie noch am eigentlichen Tatort fortgesetzt, indem sie in einer Art Halbkreis um den Geschädigten zunächst herumstanden, während der Angeklagte H. T. aufforderte, sich auszuziehen und er den Angeklagten S. mit dem Übergießen mit Benzin beauftragte und schließlich von dem Angeklagten R. verlangte, T. anzuzünden. Auch in dieser Situation befanden sich die Angeklagten B. und S. unmittelbar am Tatort. Sie sind Mittäter, denn auch sie wollten den Tod des T. und billigten das Verhalten von H., S. und R.. Dies zeigt sich auch daran, dass beide nach dem Fehlgehen der Tat versuchten, dem Opfer nachzusetzen, um es doch noch in ihre Gewalt zu bekommen.

Die Angeklagten haben das Mordmerkmal der Verdeckung einer Straftat, als auch das Mordmerkmal grausam erfüllt. Denn die Angeklagten befürchteten zum einen nach der von ihnen begangenen gefährlichen Körperverletzung, dass der Geschädigte sie bei der Polizei wegen dieser Tat anzeigen würde. Aus dieser Motivation heraus wuchs die von H. entwickelte und von allen gebilligte Überzeugung, T. nunmehr töten zu müssen. Sinn und Zweck ihrer Tat war es demnach, die vorangegangene gefährliche Körperverletzung zu verdecken, was durch das Verbrennen erreicht werden sollte. Denn die Angeklagten sind davon ausgegangen, dass durch das Brandmittel Benzin von dem Opfer nichts mehr übrig bleiben wird, so dass auch die sichtbaren Spuren körperlicher Misshandlung nicht mehr hätten entdeckt werden können.

Ferner töteten sie auch grausam. Grausam tötet, wer seinem Opfer in gefühlloser, unbarmherziger Gesinnung körperliche oder seelische Qualen zufügt, die nach Stärke oder Dauer über das für die Tötung erforderliche Maß hinausgehen. Vorliegend fügten die Angeklagten ihrem Opfer zusätzlich zumindest erhebliche seelische Qualen zu, in dem sie es über einen längeren Zeitraum hinweg in seiner Gegenwart mit der geplanten Tatausführung konfrontierten. Dadurch sollte dem Opfer erhebliche Angst zugeführt werden, was auch erreicht wurde. Der Geschädigte T. reagierte auf den Tatplan der Angeklagten, ihn durch Verbrennen zu töten, noch auf dem Weg zum Tatort mit Angst und Gefühlsausbrüchen. Auf dem Weg zum Tatort bat er die Angeklagten R., B. und S. in Verzweiflung und panischer Angst im Hinblick darauf, was nunmehr mit ihm geschehen sollte, die Angeklagten mögen ihn doch laufen lassen. Auch nachdem alle am Tatort angekommen waren, flehte der Geschädigte T. weinend und in panischer Angst, ihn doch bitte nicht umzubringen, was aber alle Angeklagten nicht daran hinderte, ungerührt den miteinander abgesprochenen und bislang offen vor dem Angeklagten erörterten Tatplan weiter in die Tat umzusetzen und den mittlerweile nackten, auf dem Boden liegenden und mit Benzin übergossenen Geschädigten anzuzünden.

Allerdings misslang die Tötungshandlung, sie blieb im Versuch stecken, denn es gelang dem Geschädigten die Flammen zu löschen und zu entkommen. Die Angeklagten handelten rechtswidrig und schuldhaft.

3.
Tateinheitlich zu dem versuchten Mord gem. den §§ 211, 22, 23 Abs. 1 haben die Angeklagten eine schwere Körperverletzung gem. § 226 Abs. 1 Nr. 3 StGB begangen. Die Angeklagten haben ihr Opfer durch das gemeinschaftliche Anzünden und Anbrennen an der Gesundheit beschädigt und körperlich misshandelt, wobei der Geschädigte durch die Narbenbildung am ganzen Körper, also die Folgen der Körperverletzung, in erheblicher Weise dauerhaft entstellt sein wird. Ebenfalls tateinheitlich zu dem versuchten Mord haben die Angeklagten eine Freiheitsberaubung gem. § 239 Abs. 1 StGB begangen, denn sie haben den Angeklagten gemäß ihrem gemeinschaftlichen Tatentschluss festgehalten und ihn zwangsweise zum späteren Tatort verbracht, obwohl sie wussten, dass der Angeklagte dies nicht wollte. Sie haben dadurch in seine mögliche persönliche Bewegungsfreiheit eingegriffen und ihm die Möglichkeit genommen, sich nach seinem Willen fortzubewegen. Gleichzeitig haben sie während dieser Freiheitsberaubung eine Tat begangen, durch die eine schwere Gesundheitsschädigung des Opfers, nämlich die Verbrennungen und anschließende schwere Gesundheitsschädigung verursacht wurde, § 239 Abs. 3 Nr. 2 StGB.

4.
Die beiden Tatkomplexe, nämlich die gefährliche Körperverletzung gem. § 224 Abs. 1 Nr. 4 steht zu dem 2. Tatkomplex, dem versuchten Mord gem. §§ 211, 22, 23, 226 Abs. 1 Nr. 3, 239 Abs. 1, 3 Nr. 2 StGB nach § 53 StGB im Verhältnis der Tatmehrheit. Der versuchte Mord bildet mit der vorher abgeschlossenen Körperverletzung, welche mittels der Tötung verdeckt werden soll, keine natürliche Handlungseinheit.

5.
Das Gericht konnte nicht ausschließen, dass die Angeklagten S. und B. während des 1. Tatabschnitts - die gefährliche Körperverletzung - infolge des Genusses von Alkohol in ihrer Schuldfähigkeit gemäß § 21 StGB vermindert waren.

5.1.
Bei der Feststellung der Blutalkoholwerte der Angeklagten zu den Tatzeiten hat das Gericht einen Sachverständigen konsultiert. Der Sachverständige Dr. V. ist Facharzt für Rechtsmedizin und ein erfahrener Gutachter. Er hat in einem ausführlichen und sorgfältigen Gutachten, dem sich die Kammer nach eingehender Überprüfung aus eigener Überzeugung angeschlossen hat, folgende Alkoholwerte berechnet. Dabei hat Sachverständige bezüglich aller Angeklagten folgende Berechnungen und Ergebnisse dargelegt, denen das Gericht nach eigener Überprüfung folgt.

5.1.1.

-S.:

Ausgehend von dem Befundbericht wird die Untersuchung auf Ethanolkonzentration des Brandenburgischen Landesinstituts für Rechtsmedizin, welcher für den Angeklagten S. für die Zeit vom 16.01.2001, 7:54 Uhr, eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,99 mg/g ermittelt hat, hat der Sachverständige für den 2. Tatkomplex zwischen 4:40 Uhr und 5:30 Uhr bei Berücksichtigung eines stündlichen Alkoholabbaus von 0,2 mg/g und einem einmaligen Sicherheitszuschlag von 0,2 mg/g rechnerisch eine maximale Blutalkoholkonzentration von 2,83 mg/g bis 2,63 mg/g errechnet.

Für den 1. Tatkomplex, der für den Angeklagten S. ab 2:00 Uhr begann, errechnet sich eine maximale BAR von 3,39 mg/g (6 Stunden zuzüglich Sicherheitszuschlag). Unter der Berücksichtigung, dass der Angeklagte zwischen dem Verlassen der Tankstelle gegen 4:48 Uhr bis zu seiner Tathandlung (Übergießen des Geschädigten mit Benzin) eine Büchse Bier 0,5 L, 4,8 Vol % Alkohol konsumierte, errechnet sich ein Nachtrunk von 0,34 mg/g Alkohol. Dabei hat der Sachverständige ein Körpergewicht des Angeklagten S. von 63 kg, einen individuellen Reduktionsfaktor von 0,8 und einen 10 %iges Resorptionsdefizit berücksichtigt. Dies bedeutet, dass die BAK zum Zeitpunkt 4:40 Uhr unter Außerachtlassung des Nachtrunks bei maximal 2,49 mg/g gelegen hätte. Unter Berücksichtigung des kurz vor der Tat erfolgten Nachtrunks von 0,34 mg/g ergibt sich eine maximale BAK von 3,05 mg/g.

-B.:

Hinsichtlich des Angeklagten B. hat der Sachverständige, ausgehend von dem Befundbericht des Brandenburgischen Landesinstituts für Rechtsmedizin vom xx.01.2001, der für den Angeklagten für den Zeitraum 16.01.01, 7:35 Uhr eine Blutalkoholkonzentration von 1,13 mg/g festgestellt hat, folgende Alkoholkonzentration zu den Tatzeitpunkten errechnet:

Unter Berücksichtigung eines stündlichen Blutalkoholabbaus von 0,2 mg/g und eines Sicherheitszuschlages von 0,2 mg/g ergab sich für den 1. Tatkomplex ab 0:00 Uhr eine rechnerisch maximale Blutalkoholkonzentration von 2,83 mg/g und für den 2. Tatkomplex zwischen 4:40 und 5:30 Uhr eine Blutalkoholkonzentration von 1,93 mg/g bis 1,73 mg/g.

-R.:

Hinsichtlich des Angeklagten R. hat der Sachverständige ausgehend von den Angaben des Angeklagten, dieser habe zu Beginn zwei bis drei Bier a 0,5 Liter zu 4,8 Vol% etwa zur Hälfte getrunken, unter Berücksichtigung des Gewichtes des Angeklagten von 68,8 kg und dessen Körpergröße von 180 cm, unter Berücksichtigung eines Reduktionsfaktors von 0,79 und einem 10%igen Resorptionsdefizit eine rechnerisch maximale BAK von 0,32 mg/g bis 0,48 mg/g errechnet ohne Berücksichtigung eines zeitlichen Alkoholabbaus. Spätestens gegen 2:00 Uhr wäre dieser Blutalkoholgehalt restlos abgebaut gewesen. Hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes konnte die Kammer eine Alkoholisierung des Angeklagten R. nicht feststellen.

5.1.4.

-S.:

Hinsichtlich des Angeklagten S. ist der Sachverständige von folgenden Voraussetzungen ausgegangen:

Nach den Angaben des Angeklagten S. trank dieser in der Zeit von 15.01.01, 15.00 Uhr bis 16.01.01 um 2.00 Uhr mindestens fünf und maximal zehn Bier a 0,5 Liter zu je 4,8 Vol.%. Der Angeklagte wiegt 91 kg und hat eine Körpergröße von 179 cm. Ausgehend von den Maximalangaben des Angeklagten und unter Berücksichtigung eines individuellen Reduktionsfaktors von 0,68 sowie eines Resorptionsdefizites von 10 % errechnete der Sachverständige eine Menge aufgenommenen Alkohols von 192,0 g, eine resorbierte Menge reinen Alkohols von 172,8 g und eine maximale rechnerische BAK von 2,77 mg/g. Zu seinen Gunsten war bei der Rückrechnung von einem Alkoholabbau von minimal 0,1 mg/g Alkohol stündlich auszugehen. Es errechnet sich für den Zeitraum um 0.00 Uhr eine maximale BAK von 1,87 mg/g (9 Stunden seit Trinkbeginn 15.00 Uhr) also 1,87 mg/g und für 2.00 Uhr 1,67 mg/g. Für den 2. Tatkomplex ergibt sich hinsichtlich des Tatzeitraumes 4.48 Uhr bis 5.40 Uhr eine maximale Blutalkoholkonzentration von mg/g bis 1,31 mg/g zum Tatende.

5.1.5.
Das Gericht hat sich davon überzeugt, dass die rechnerische Ermittlung der BAK-Werte korrekt erfolgte. Zutreffend geht der Sachverständige davon aus, dass sich der Nachtrunk durch S. unmittelbar vor der Ausführung der 2. Tat auf die BAK zum Tatzeitpunkt der 1. Tat nicht ausgewirkt hat, weil der Alkohol dieses Bieres noch nicht in das Blut des Angeklagten übergegangen sein kann.

5.2.
Ausgehend von diesen rechnerischen denkbaren maximalen Blutalkoholwerten der Angeklagten haben die Sachverständigen Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie, die die Angeklagten psychiatrisch untersucht haben, bei den Angeklagten S. und B. zur Zeit des 1. Tatkomplexes die Misshandlungen des Zeugen T. in der Wohnung Z. eine verminderte Schuldfähigkeit gemäß § 21 StGB nicht ausschließen können. Die übrigen, Angeklagten waren uneingeschränkt schuldfähig.

5.2.1
Die Sachverständige Dr. H. ist eine erfahrene Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Sie hat die Angeklagten H., S. und S. psychiatrisch untersucht.

Sie hat hinsichtlich des Angeklagten H. in einem ausführlichen und sorgfältigen psychiatrischen Gutachten, dem sich die Kammer nach eingehender Überprüfung angeschlossen hat, festgestellt, dass beim Angeklagten H. eine ausgeprägte Dissozialität mit zunehmender Aggressionsbereitschaft festzustellen ist. Der Angeklagte neigt immer mehr zu einem sozialdeterminierten Alkoholmissbrauch, er ist aber bislang nicht alkoholabhängig. Unter der Wirkung von Alkohol steigt auch die Aggressionsbereitschaft des Angeklagten an. Aus psychiatrischer Sicht ist damit eine eingeschränkte Schuldfähigkeit hinsichtlich des Angeklagten H. nicht zu bejahen. Diese ergibt sich auch nicht aus der alkoholischen Beeinflussung des Angeklagten. Die Wahrnehmungen des Angeklagten waren nicht getrübt. Er war zu jeder Zeit in der Lage, was er auch tat, das ganze Geschehen zu steuern und sogar vor dem unmittelbaren Anzünden noch den Befehl zu geben, der Geschädigte solle sich die Kleider ausziehen, damit nicht nur die Kleidung, sondern auch die Haut brenne. Trotz des Alkoholkonsums ist der klinische Befund eindeutig und gibt keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit.

5.2.2.
Hinsichtlich des Angeklagten M. S. hat die Sachverständige Dr. H. in einem ebenfalls sorgfältigen und umfassenden Gutachten, dem sich die Kammer nach eingehender Überprüfung aus eigener Überzeugung angeschlossen hat, dargestellt, dass bei dem Angeklagten eine deutliche Diskrepanz zwischen eher bildungs- und sozialisationsabhängiger Verbalbefähigung und logisch- und denkerischen Umgang vorliegt. Es bestehen normgerechte intellektuelle Potenzen, welche aber bislang nur mangelhaft ausgeschöpft wurden. In affektiver Hinsicht zeigen sich bei dem Angeklagten eine labile Grundstimmung in Richtung von Miesgestimmtheit, innerer Lehre und Teilnahmslosigkeit sowie auch leichte Reizbarkeit. Der Angeklagte ist in emotionaler Hinsicht allerdings noch tangierbar. Seine Ich-Struktur ist schwammig und wenig ausgeprägt. Hieraus resultiert auch die Neigung des Angeklagten zum Anschluss in Skinheadgruppen. Die skinheadtypische Glatze wertet den Angeklagten auf. Die Angst, welche von Anderen gegenüber Skinheads empfunden wird, empfindet der Angeklagte als Respekt, der ihm gegenüber bezeugt wird. Bei dem Angeklagten ist darüber hinaus bereits von einer beginnenden Alkoholerkrankung auszugehen. Die Alkoholtoleranz ist dabei sehr hoch. Unter Alkohol wird der ansonsten in seinen Aggressionen eher gehemmte Angeklagte enthemmt, so dass er dann bei Konflikten auch mit Aggression reagiert. Im nüchternen Zustand weiß der Angeklagte nicht, wie er mit Konflikten umgehen soll. Der Angeklagte ist allerdings emotional noch nicht verwahrlost, er hat gefühlsmäßig noch entwickelbare Potenzen. Dem Gruppensog, der vorliegend zur Tat führte, konnte sich der Angeklagte nicht entziehen, obwohl er nicht in den Anfangskonflikt eingebunden war. Gegenüber dem Schwächeren, hier dem Geschädigten T., der Zielscheibe gemeinsamer Aggression war, konnte er sich aufwerten und Macht demonstrieren, wobei eine geringe Fähigkeit zur Emphatie eine gewisse Rolle gespielt hat. Diese Faktoren waren allerdings aus psychiatrischer Sicht noch nicht geeignet, die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten erheblich zu beeinträchtigen.

Hinsichtlich der alkoholischen Beeinflussung hat die Sachverständige ausgeführt, dass es keine Erkenntnis von Umständen gibt, die auf erheblich gestörte Auffassungen und Wahrnehmungen verweisen. Es gibt keine Verhaltensauffälligkeiten bei dem Angeklagten. Für das affektive Achsensyndrom ist die aufgeheizte Stimmung der Gruppe von Bedeutung, von der sich der Angeklagte hat anstecken lassen. Ohne Alkoholeinfluss wäre dies nicht zu verzeichnen gewesen. Es liegt somit das Merkmal der Verhaltensänderung vor. Hinsichtlich des ersten Tatkomplexes hat die Ich-Schwäche und die Fähigkeit des Angeklagten zur mangelnden Abgrenzung unter der Wirkung des Alkohols dazu geführt, dass er sich unter Abänderung seiner sonstigen Verhaltensweisen im Rahmen des gruppendynamischen Geschehens aggressiv gegenüber dem Geschädigten verhielt. Diese Änderung seiner Verhaltensweise in Verbindung mit der relativ hohen Alkoholkonzentration führt hinsichtlich des ersten Tatkomplexes dazu, dass der Angeklagte S. zwar noch in der Lage war, das Unrecht seines Verhaltens zu erkennen, jedoch nicht auszuschließen ist, dass er aber in seiner Fähigkeit, sein Verhalten entsprechend seiner Unrechtseinsicht zu steuern, erheblich beeinträchtigt war im Sinne des § 21 StGB. Allerdings liegen die Voraussetzungen des § 64 StGB mangels eines Hanges des Angeklagten unter Alkohol erhebliche Straftaten zu begehen, nicht vor. Die Tat war für ihn situationsbedingt durch die Gruppe beeinflusst.

Hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes hat die Sachverständige ausgeführt, dass trotz der festgestellten nach wie vor bestandenen Alkoholisierung von einer Einschränkung der Unrechtseinsicht oder Steuerungsfähigkeit nicht mehr ausgegangen werden kann. Allerdings ist der rechnerisch maximale BAK-Wert für die abschließende Beurteilung der Auswirkungen seiner Alkoholisierung. Dem Angeklagten war es gelungen, die Menge von rund 1 Liter Benzin in eine leere Cola-Flasche "zu tanken", ohne hierbei etwas zu verschütten. Durch den Weg von der P.-Straße zur Tankstelle hat bei dem Angeklagten, wie jedenfalls die motorische Geschicklichkeit des Angeklagten S. zu diesem Zeitpunkt zeigt, eine derartige Ernüchterung eingesetzt, dass er sein Verhalten uneingeschränkt steuern konnte. Der klinische Befund war unauffällig. Zuletzt ist es ihm ohne Probleme gelungen, das Benzin zielstrebig über den Oberkörper des Geschädigten zu verteilen. Auch die anschließende Flucht verlief unauffällig. Der Angeklagte war in der Lage, sein Verhalten entsprechend seiner Unrechtseinsicht auch zu steuern.

5.2.3.
In ihrem ausführlichen und sorgfältigen Gutachten hinsichtlich des Angeklagten M. S., dem sich die Kammer nach eingehender Überprüfung und eigener Überzeugung angeschlossen hat, hat die Sachverständige Dr. H. ausgeführt, dass bei dem Angeklagten S. dissoziale bis antisoziale Persönlichkeitsstrukturen, Züge demonstrativer sozialer Geltungs- und Mittelpunktsstreblichkeit sowie eine egozentrische Einengung und paranoid misstrauische Einstellung zur mitmenschlichen Umwelt bestehen. Eine zerebrale Vorschädigung beim Angeklagten ist auszuschließen. Ebenfalls ist eine engere psychiatrische Erkrankung (Psychose) auszuschließen. Es liegen keine psychischen Störungen vor, die dem psychischen Merkmal einer krankhaften seelischen Störung zuzuordnen wären. Auch ist eine Minderbegabung ausgeschlossen. Demgegenüber bestehen allerdings ausgeprägte ungünstige emotionale Entwicklungsbedingungen, welche eine wesentliche Disposition für die Fehlentwicklung des Angeklagten S. sind. Dieser empfand sich als Kind vereinzelt und vereinsamt. Einzige Bezugsperson war die Großmutter. Zunächst reagierte er dadurch, dass er versuchte, mit Anpassung Zuwendung zu erhalten, danach reagierte er mit Resignation und Lustlosigkeit und ließ auch in den Schulleistungen nach. Gegenüber dem Stiefvater entstanden Wut und Hassgefühle. Der Stiefvater war für den Angeklagten S. keine männliche Identifikationsfigur, sondern eher das Gegenteil. Die Normen, nach denen der Stiefvater lebte, wurden von dem Angeklagten generell abgelehnt. Seit dem achtzehnten Lebensjahr ist auch der Alkoholmissbrauch gleichsam Begleitsymptom der sozialen Entwurzelung und dissozialen Lebensführung des Angeklagten geworden. Er deckt dessen innere Lehre und Langeweile zu. Der Alkoholmißbrauch ist deutlich an soziale Trinkkonstellationen gebunden. Er gehört zum Angeklagten dazu, ohne das ein Problembewusstsein oder ein Überdenken des Angeklagten hierzu erkennbar sind. In emotionaler Hinsicht ist der Angeklagte , aufgrund des frühen emotionalen Vertrauensverlustes in der Kindheit leicht störbar und dirigierbar. Er wehrt größere Nähe ab, ist in sozialen Beziehungen häufig argwöhnisch-misstrauisch, aber auch gleichgültig und insgesamt deutlich Ich-bezogen. Der Angeklagte wirkt, nach außen selbstsicher. Er gibt jedoch bei Hindernissen und Hemmnissen schnell auf und stellt sich kaum einem Problem. Er traut sich insgesamt wenig zu, fühlt sich schnell abgewertet und depressiv und hofft auf Lösungen von außen. Allerdings ist eine Persönlichkeitsstörung, welche aus psychiatrischer Sicht geeignet wäre Einfluss auf die Unrechtseinsichtsfähigkeit bzw. Steuerungsfähigkeit zu nehmen, nicht zu diagnostizieren. Auch sind Kriterien einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung nicht gegeben. Der Angeklagte wäre in der Lage gewesen, dem Handeln der anderen Angeklagten entgegenzutreten oder sich zumindest zu entfernen und Hilfe zu holen, hätte er sich nicht mit dem Handeln der Anderen identifiziert. Die Selbstwertproblematik des Angeklagten ist nicht so intensiv ausgeprägt, dass hieraus ein Zwang zum mitmachen abzuleiten wäre.

Für eine alkoholbedingte Einschränkung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit fehlen jegliche Anhaltspunkte. Selbst zu Beginn der Tathandlungen gegen 0.00 Uhr und einer errechneten maximalen Blutalkoholkonzentration von 1,87 mg/g war der erwachsene Angeklagte, der auch den Konsum höchster Trinkmengen gewohnt ist, vollständig in der Lage das Unrecht seines Verhaltens zu erkennen und auch sein Verhalten entsprechend zu steuern.

5.2.4.
Der Sachverständige Dr. K. ist ein angesehener Facharzt der Psychiatrie und Psychotherapie. Er hat die Angeklagten R. und B. psychiatrisch untersucht.

Der Sachverständige Dr. K. hat in seinem ausführlichen und überzeugenden Gutachten hinsichtlich des Angeklagten M. R., dem sich die Kammer nach eingehender Oberprüfung aus eigener Überzeugung angeschlossen hat, dargelegt, dass sich keine Hinweise auf hirnorganische Vorschädigungen, Neurosen oder Psychosen bei dem Angeklagten ergaben. Der Angeklagte verfügt über weit altersüberdurchschnittliche nonverbale Fähigkeiten des logisch abstrahierenden Denkens, andererseits über eine unterdurchschnittliche, bzw. knapp durchschnittliche eher bildungs- und sozialisationsabhängige intellektuelle Verbalbefähigung. Der Angeklagte ist zwar bildungsarm, aber eher überdurchschnittlich intellektuell leistungsfähig. Bei ihm liegt eine emotional-affektive, labile und deutlich aggressions-disponierte, emotional-, bindungs-, und kontaktgestörte Persönlichkeit vor. Es bestehen jedoch keine psychopathologisch relevanten Erlebnis- und Verhaltensauffälligkeiten. Wesentlich von Bedeutung für das Abgleiten des Angeklagten in dissoziale Lebensverhältnisse sind die gestörten Familienverhältnisse, in denen der Angeklagte aufwachsen musste. Das bereits während der Trennung der Eltern bestehende und verstärkt auftretende Alkoholtrinken der Mutter setze sich nach endgültig stattgefundener Scheidung massiv fort und führte zu längeren Unterbringungen der Mutter in einer Klinik. Währenddessen kam der Junge bei den Großeltern unter. Nach regulärer Einschulung wurden alsbald Interessenlosigkeit und geringe Leistungsmotivation deutlich. Intellektuelle Fähigkeiten wurden nicht genügend ausgeschöpft, wofür zweifelsohne auch mangelhafte Förderung und Korrekturen von Außen mitverantwortlich waren. Auf die immer sichtbarer werdende soziale Entgleisung reagierte die Mutter überreizt und mit erneuten Schlägen und Misshandlungen. In diese Entwicklung betten sich zahlreiche zwischenzeitlich mehr- oder minderpräsente Stiefväter ein, welche der Angeklagte ausschließlich in mehr oder minder betrunkenem Zustand erlebte, mit den entsprechenden Entgleisungen dieser Männer sowohl ihm auch als auch seiner Mutter gegenüber. Die Ursache für das Zunehmen sozialen Abgleitens lagen darüber hinaus auch in einer kurzschlüssigen, impulshaften Nahzielorientierung, wobei rasche Bedürfnisbefriedigung im Vordergrund stand und kaum mehr langfristige Ziele oder Perspektiven und Überlegungen angestellt wurden. Die vorgegebenen Meinungen und Anschauungen der gleichsam sozial randständigen Kumpels stellten den von dem Angeklagten akzeptieren Handlungsüberbau dar, wobei Fragen der Toleranz und des Respekts kaum eine Rolle spielten. Die damit einhergehenden fremdenfeindlichen Orientierungen waren, wie das eigene Gefüh1sleben des Angeklagten selbst, diffus, wenig hinterfragt und überwiegend von der aktuellen emotionalen Bestimmtheit ausgefüllt. Bei der Persönlichkeit des Angeklagten handelt es sich um jemanden, der in seinem Selbstwerterleben diffus und unbeständig ist, was wiederum Auswirkungen auf sein Beziehungsleben hat. Hier besteht eine starke Neigung zu kompensierendem Geltungsdrang und einem Anlehnungsbedürfnis an für vermeintlich stärkere und dominantere Gruppenmitglieder. Das sichtbar gewordene Abgleiten in die Dissozialität und insbesondere in frühe Delinquenz ist aber keineswegs einer psychiatrisch relevanten Erkrankung im engeren Sinne zuzuordnen, sondern eindeutig subkulturell zu identifizieren. Auch ein forensisch relevanter Schwachsinn gem. ICD 10 kann eindeutig ausgeschlossen werden. Die Defizite des Angeklagten bewegen sich auf einer sozialen normativen Ebene unter Beibehaltung allgemein sozialer Interaktionen, wenn auch überwiegend auf subkultureller Ebene. Eine Persönlichkeitsstörung im Sinne einer schweren seelischen Abartigkeit ist nicht zu diagnostizieren. Eine Abhängigkeitserkrankung im engeren psychiatrischen Sinne, also ein "Hang", lässt sich nicht feststellen. Das Alkoholtrinken findet ausschließlich im sozial konstellativen Modus statt, was aber keinem zwanghaften Trinken müssen geschuldet ist. Es handelt sich vielmehr um ein in jugendtypische Trinkkonstellationen eingebettetes Verhalten, ohne den Schweregrad einer Erkrankung oder selbst eines dahin führenden Missbrauchsverhaltens zu erreichen. Eine Überprüfung der hirnorganischen (Gedächtnis) Qualitäten zeigte einen ungestörten Ablauf, wenn auch mit modifizierten Zuordnungen zu einzelnen Handlungsteilen. Überprüfbare Qualitäten wie Wahrnehmungsfähigkeit, Gesamtschau der Situation, erhaltene Ich-Umweltgrenze mit Absprachefähigkeit, Wortsinnverständnis und Folgenkalkulation waren ungestört. Für eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung ergab sich kein Anhaltspunkt. In der gruppendynamischen Gesamtkonstellation lag keine solche Herausforderung bzw. Provokationssituation vor, die den Angeklagten zu fremdaggressiven Tatverhalten in besonderer Weise disponiert hätte. Auch für eine alkoholbedingte Einschränkung der Unrechtseinsichtsfähigkeit bzw. Minderung der Hemmungs- und Steuerungsfähigkeit gibt es keine Anhaltspunkte. Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine Störung vorgelegen hat, die zu einer Aufhebung oder Minderung der Hemmungs- und Steuerungsfähigkeit bei ohnehin erhaltende Einsichtsfähigkeit geführt hätte.

Der Sachverständige hat sich auch zu den Voraussetzungen des § 3 JGG geäußert und ausgeführt, dass die geistige Reife des Angeklagten keinerlei Beanstandungen aufweist. In der Reifeentwicklung des Angeklagten liegen keine Retardation vor. Der Angeklagte ist keineswegs kindlich, er ist vielmehr durchsetzungsfähig und zielorientiert. Es handelt sich um ein typischen Jugendlichen. Das Normverständnis ist durchaus gegeben. Im Ergebnis bestehen an der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Angeklagten, der zur Zeit der Tat nach seiner geistigen und sittlichen Entwicklung durchaus reif genug war, das Unrecht seines Verhaltens einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln, keine Zweifel.

5.2.5.
Der Sachverständige Dr. K. hat auch den Angeklagten B. psychiatrisch untersucht. In einem weiteren ausführlichen mündlichen Gutachten, dem sich die Kammer nach eingehender Überprüfung und eigener Überzeugung angeschlossen hat, hat der Sachverständige ausgeführt, dass beim Angeklagten sehr stark verfestigte dissoziale Züge vorliegen. Sein bildungsabhängiger IQ liegt bei 100, der bildungsunabhängige bei 109. In der Betrachtung der Biografie des Angeklagten zeigen sich ausreichend abrufbare Durchsetzungsfähigkeiten. Aus den Gruppeninteraktionen, in denen sich der Angeklagte sich seit Jahren befindet, lassen sich keine psychopathologisch relevanten Phänomene ableiten. Der Angeklagte besitzt in diesen sozialen Interaktionen vielmehr die Fähigkeit, sich den Gruppenhirachien anzupassen, teilweise unterzuordnen und partiell die Rolle des Bestimmenden zu übernehmen. Absprachefähigkeit, Kooperativität und Übernahme von Verantwortung stellen Fähigkeiten dar, mit denen der Angeklagte sich auch im randständigen Milieu über Jahre eine stabile Position erringen und behaupten konnte. Die Außenseiterrolle, in die der Angeklagte geriet, wurde von ihm nicht abgewehrt, sondern mit zumindest oberflächlicher Rationalisierung bestätigt. Dieses zu differenzierten Modifikationen fähige Handeln deckt sich mit der Selbsteinschätzung des Angeklagten und dem tatsächlich nachweisbaren Umgangsform mit psychotropen Substanzen, die nicht etwa aus diffusen Empfindlichkeitsüberschwemmungen wahllos konsumiert werden, sondern bei vollständig erhaltender Abstinenzfähigkeit, und fehlendendem Kontrollverlust ausschließlich sozial konstellativ eingesetzt werden und hier ganz eingebettet sind in das Weltbild des Angeklagten (nur Alkohol und keine Drogen). Eine Abhängigkeitserkrankung liegt nicht vor. Die Persönlichkeit des Angeklagten ist wenig fernzielorientiert und wenig langfristig denkend, sondern vielmehr von Lustlosigkeit und Desinteresse geprägt. Der Angeklagte identifiziert sich mit seiner sozialen Randständigkeit. Mit der Frage seiner eigenen Anteile an dieser Entwicklung geht er mit einer projektiven Verantwortungsverschiebung, auch im Kontext seiner rechten Gesinnung, um. Es handelt sich bei dem Angeklagten um ein entsprechend den neurologisch - somatischen Befunderhebungen normativ entwickelten Menschen, bei dem sich keine Hinweise für das Vorliegen einer psychiatrisch relevanten Erkrankung abzeichnen, welche möglicherweise für das soziale Scheitern verantwortlich zu machen waren. Eine forensich-relevante Intelligenzminderung kann eindeutig ausgeschlossen werden. Auch eine schwere seelische Abartigkeit kann ausgeschlossen werden. Es gelang dem Angeklagten bei entsprechenden Fähigkeiten der normal psychologischen Handlungsregulation sich in der Bandbreite der möglichen Verhaltensweisen im Kontext einer langjährigen Gruppengebundenheit adäquat zu verhalten und eine soziale Stabilität in der Instabilität einer subkulturellen Bindung aufzubauen. Auch liegt keine krankhafte seelische Störung beim Angeklagten vor, es zeigen sich weder Phänomene einer zunehmenden paranoiden Charakterabnormität noch endogene Psychosen. Die psychosoziale Fehlentwicklung dissozialen und verwahrlosungstypischen Gepräges ist ebenfalls keiner anderen schweren seelischen Abartigkeit im Sinne des Gesetzes diagnostisch zuzuordnen.

Hinsichtlich der alkoholbedingten Einschränkung der Schuldfähigkeit hat der Sachverständige dargelegt, dass im Hinblick auf den hohen Alkoholgehalt für den ersten Tatkomplex eine Einschränkung der Steuerungs- und Hemmungsfähigkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Diese ist aber jedenfalls für den zweiten Tatkomplex auf Grund der dort vorliegenden Blutalkoholkonzentration und im Hinblick auf den klinischen Befund, der Angeklagte erfasste die Tatplanung und zeigte keine körperlichen Beeinträchtigungen beim Laufen und der späteren Flucht. Im Hinblick darauf, dass der Angeklagte Alkohol gewohnt ist und mit dem Hinaustreten an die frische Luft eine Ernüchterung eingetreten war, kann für den zweiten Tatkomplex eine relevante Minderung der Unrechtseinsichtsfähigkeit oder Steuerungsfähigkeit und Hemmungsfähigkeit mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Diese Einschätzung teilt das Gericht.

V.

1.1.
Der Angeklagte C. B. hat die Tat im Alter von 23 Jahren und 1 Monat begangen, so dass insoweit die Anwendung des Erwachsenenstrafrecht vorgeschrieben war.

1.1.1
Hinsichtlich des Tatkomplexes gem. § 224 Abs. 1 StGB ist zunächst von einem Strafrahmen von Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren auszugehen. Ein minder schwerer Fall schied bereits aufgrund der langen Tatdauer des Tatvorverhaltens des Angeklagten und der Intensität der Verletzungshandlungen aus, trotz des Vorliegens einer verminderten Schuldfähigkeit. Denn der Angeklagte ist auch einschlägig vorbestraft.

Bei der konkreten Strafzumessung hat das Gericht gem. §§ 21, 49 Abs. 1 StGB die Strafe gemildert, da die Kammer nicht ausschließen konnte, dass die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten B. bei Begehung des ersten Tatkomplexes alkoholbedingt erheblich vermindert war.

Der Kammer stand daher ein Strafrahmen gem. den §§ 224 Abs. 1, 49 Abs. 1, 38 Abs. 2 StGB in Höhe von 1 Monat bis zu 7 Jahren und 6 Monaten zur Verfügung.

Bei der konkreten Strafzumessung konnte zugunsten des Angeklagten B. berücksichtigt werden, dass dieser das Tatgeschehen nicht steuerte, sondern sich nach den Anweisungen des Angeklagten H. richtete. Auch das Teilgeständnis des Angeklagten vor der Polizei wurde gewürdigt, wenngleich dem wegen Fehlens von Reue keine maßgebliche Bedeutung zukommt.

Zu Lasten des Angeklagten waren dessen auch einschlägige Vorstrafen zu würdigen, dass der Anlass der Tat ein Nichtiger war und die Dauer der Tatbegehung erheblich und für den Geschädigten auch daher besonders belastend war.

Nach Abwägung aller für und gegen den Angeklagten sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkte hielt die Kammer die Verhängung einer Einsatzfreiheitsstrafe in Höhe von 2 - zwei - Jahren für schuld- und tatangemessen, erforderlich, aber auch ausreichend, um dem Angeklagten das Unrecht seines Verhaltens deutlich vor Augen zu führen und nachhaltig auf ihn einzuwirken um ihn in Zukunft von der Begehung von Straftaten abzuhalten.

1.1.2.
Hinsichtlich des 2. Tatkomplexes war hinsichtlich des Strafrahmens gem. den §§ 211 Abs. 1, 226 Abs. 1 Nr. 3, 239 Abs. 1, 52 Abs. 2 StGB zunächst von einer lebenslangen Freiheitsstrafe auszugehen.

Zu Gunsten des Angeklagten hat die Kammer aber die Strafe gemäß §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB gemildert, da die Tat im Versuch steckengeblieben ist.

Nach § 23 Abs. 2 StGB kann der Versuch milder bestraft werden, als die vollendete Tat. Der Kammer ist insoweit ein Ermessen eingeräumt. Von diesem Ermessen hat die Kammer Gebrauch gemacht.

Die Frage einer Verschiebung des Strafrahmens gem. §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB ist aufgrund einer Gesamtschau der Tatumstände im weitesten Sinne sowie der Persönlichkeit des Täters zu entscheiden. Die Kammer hat hierbei berücksichtigt, dass insoweit ein besonderes Gewicht den wesentlich versuchsbezogenen Umständen, insbesondere der Nähe der Tatvollendung, der Gefährlichkeit des Versuches und der aufgewandten kriminellen Energie zukommt.

Vorliegend war hierbei zunächst zu berücksichtigen, dass eine hohe Nähe zur Tatvollendung gegeben war. Nur durch eine rasche und effektive medizinische Versorgung konnte der Tod des Geschädigten verhindert werden. Zum einen war es dem Geschädigten selbst gelungen, rasch die Flammen zu löschen und zu fliehen. Die in der Nähe befindliche Tankstelle konnte er ebenfalls relativ rasch erreichen, so dass medizinische Hilfe äußerst schnell herbeigeholt werden konnte. Die Notfallhelfer haben mit großer medizinischer Sachkenntnis und Kompetenz die ersten Notfallmaßnahmen durchgeführt und den Geschädigten besonders rasch einer spezialmedizinischen Versorgung zugeführt. Darüber hinaus war es letztlich nur dem derzeitigen Stand der modernen medizinischen Technik zu verdanken, dass der Geschädigte mittels mehrerer Operationen gerettet werden konnte. Aus der Begehungsweise des Verbrennens mit Hilfe von ca. 1 L Benzin ergibt sich zudem vorliegend eine hohe Gefährlichkeit des Versuches. Allerdings sprach zu Gunsten des Angeklagten B., dass der Angeklagte B. im gesamten Geschehen kein treibendes oder steuerndes Glied war. Mithin war seine kriminelle Energie noch nicht derart beachtlich, dass ihm eine Strafrahmenverschiebung zu verwehren ist. Er hat im wesentlichen wie die anderen Angeklagten auch, Anweisungen und Befehle des Angeklagten H. erhalten und ausgeführt. Zwar war er derjenige, der mit dem Angeklagten S. auf entsprechenden Ruf des Angeklagten H. versucht hat, die Flucht des Geschädigten durch eine Nacheile zu verhindern. Die Kammer hat aber dennoch insoweit auch berücksichtigt, dass die Tat insgesamt das Ergebnis eines gruppendynamischen Prozesses war, dem alle Angeklagten, auch der Angeklagte B., folgten, obgleich die Stufe der verminderten Steuerungsfähigkeit beim Angeklagten B. hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes nicht erreicht war. Die Tat hat sich aus einer "Party" heraus entwickelt, bei der von allen Angeklagten, wenn auch in unterschiedlichem Maße Alkohol konsumiert wurde. Auch der Angeklagte B. hatte Alkohol zu sich genommen und war dementsprechend enthemmt. Diese "Party" eskalierte zunächst in massive körperverletzende Übergriffe gegen den Geschädigten und dann im Zuge des weiteren gruppendynamischen Geschehens in dem Mordversuch. Zwar hätte der Angeklagte B., der im 2. Tatkomplex aufgrund des laufenden Alkoholabbaues und der Ernüchterung durch das Heraustreten aus der Wohnung und das Kommen in die frische Luft nicht mehr in seiner Schuldfähigkeit vermindert war, das Geschehen jederzeit verlassen können. Dennoch vermochte auch er sich dem Sog der Geschehnisse aufgrund seiner Persönlichkeit nur noch schwer zu entziehen. Die Kammer hat auch gewürdigt, dass der Angeklagte erheblich und einschlägig vorbestraft ist, der Tatanlass ein Nichtiger war und der Angeklagte die Flucht des Geschädigten durch eine Nacheile verhindern wollte. Die Kammer hat ferner gewürdigt, dass der Angeklagte mehrere Tatbestände und zwei Mordmerkmale verwirklicht hat.

Nach Würdigung aller Gesamtumstande, insbesondere im wesentlichen der versuchsbezogenen Umstände, kam die Kammer in Ausübung ihres Ermessens zu dem Ergebnis, die Strafe gleichwohl wegen Versuches gem. §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB zu mildern.

Gemäß den §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1, 38 Abs. 2 stand der Kammer daher ein Strafrahmen von Freiheitsstrafe von 3 Jahren bis zu 15 Jahren zur Verfügung.

Bei der konkreten Strafzumessung hat die Kammer zugunsten des Angeklagten insbesondere berücksichtigt, dass er im wesentlichen die Anweisungen des Angeklagten H. befolgte und nicht die treibende Kraft war. Ferner sein Teilgeständnis gegenüber der Polizei, wenngleich dem wegen des Fehlens von Einsicht und Reue, keine maßgebliche Bedeutung zukommt. Zuletzt war zu berücksichtigen, dass der Angeklagte B. alkoholisch enthemmt war.

Zu Lasten des Angeklagten hat die Kammer dessen erhebliche auch einschlägige Vorstrafen gewürdigt, dass der Anlass der Tat ein Nichtiger war und der Angeklagte durch die Nacheile die Flucht des Geschädigten, nachdem dieser sich löschen konnte, verhindern wollte. Die Kammer hat zu seinen Lasten berücksichtigt, dass er mehrere Tatbestände und zwei Mordmerkmale verwirklicht hat und dem Geschädigten äußerst belastende und langwierige medizinische Eingriffe ausgesetzt hat.

Nach Abwägung aller für und gegen den Angeklagten sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkten hielt die Kammer die Verhängung einer Einsatzfreiheitsstrafe in Höhe von 14 - vierzehn - Jahren und 6 -sechs - Monaten für tat- und schuldangemessen, ausreichend, aber auch erforderlich, um dem Angeklagten das Unrecht seines Verhaltens deutlich vor Augen zu führen und nachhaltig auf ihn einzuwirken, um ihn in Zukunft von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten. Das Gericht hat dabei erkannt, dass es sich um eine ganz erhebliche Freiheitsstrafe handelt. Aber in Anbetracht der Schwere der Tat und der einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten vermag nunmehr nur noch eine derart hohe Strafe auf den uneinsichtigen wenn auch noch relativ jungen erwachsenen Angeklagten angemessen einzuwirken.

Nach nochmaliger Abwägung sämtlicher für und gegen den Angeklagten sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkten hielt die Kammer die Verhängung einer Gesamtfreiheitsstrafe gem. § 53 Abs. 1 StGB in Höhe von

15 - fünfzehn - Jahren

für schuld- und tatangemessen.

1.2.
Der Angeklagte M. S. war zum Tatzeitpunkt 29 Jahre alt, so dass insoweit die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts zwingend vorgeschrieben war.

1.2.1.
Hinsichtlich des 1. Tatkomplexes, der gefährlichen Körperverletzung gem. § 224 Abs. 1 StGB stand der Kammer ein Strafrahmen von 6 Monaten bis zu 10 Jahren zur Verfügung. Ein minder schwerer Fall konnte schon deshalb nicht angenommen werden, da die Körperverletzungen sich über einen längeren Zeitraum hinstreckten und von erheblicher Intensität waren und der vorbestrafte Angeklagte Bewährungsversager ist.

Im Rahmen der konkreten Strafzumessung betreffend den ersten Tatkomplex hat die Kammer das Geständnis des Angeklagten S. bedingt strafmildernd gewürdigt, weil eine Reue des Angeklagten nicht zu erkennen war. Des weiteren hat die Kammer eine mögliche alkoholische Enthemmung zu seinen Gunsten berücksichtigt. Die Kammer hat auch gewürdigt, dass er die Tat nicht aus eigenem Antrieb, sondern als Befehlsempfänger des Angeklagten H. begangen hat.

Zu Lasten des Angeklagten hat die Kammer dessen zahlreiche Vorstrafen und sein Bewährungsversagen berücksichtigt. Sie hat auch gewürdigt, dass der Anlass für die Körperverletzung ein Nichtiger war. Zu Lasten des Angeklagten hat die Kammer gewürdigt, dass sich die Tat über einen langen Zeitraum erstreckte.

Nach Abwägung aller Umstände der Tat und Täterpersönlichkeit hielt die Kammer die Verhängung einer Einsatzfreiheitsstrafe von 3 - drei Jahren für tat- und schuldangemessen, erforderlich, aber auch ausreichend, um nachhaltig auf den Angeklagten einzuwirken und ihm das Unrecht seines Verhaltens eindringlich vor Augen zu führen, um ihn in Zukunft vor der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten.

1.2.2.
Hinsichtlich des 2. Tatkomplexes, dem tateinheitlich mit einer Freiheitsberaubung gem. § 239 Abs. 1 StGB und einer schweren Körperverletzung nach § 226 Abs. 1 Nr. 3 StGB begangenen Mordversuch gem. den §§ 211, 22, 23 StGB stand der Kammer ein Strafrahmen gem. den. §§ 52 Abs. 2, 211 Abs. 1 StGB zur Verfügung. Die Tat ist demnach mit lebenslanger Freiheitsstrafe bedroht.

Die Kammer hat auch zugunsten des Angeklagten S. die Strafe gemäß §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB gemildert, weil die Tat im Versuch steckengeblieben ist.

Die Kammer hat bei der Vornahme der Gesamtabwägung ein besonderes Gewicht, auf die wesentlich versuchsbezogenen Umstände gelegt, vor allem der Nähe der Tatvollendung, der Gefährlichkeit des Versuches und der aufgewandten kriminellen Energie. Hinsichtlich der Nähe der Tatvollendung und der Gefährlichkeit des Versuchs wird auf die Ausführungen in den Urteilsgründen betreffend den Angeklagten B. Bezug genommen.

Allerdings war auch die von dem Angeklagten S. aufgewandte kriminelle Energie noch nicht derart beachtlich, dass die Milderung nach § 49 StGB zu versagen ist. Auch der Angeklagte S. war im gesamten Geschehen nicht treibendes oder steuerndes Glied, er hat Anweisungen und Befehle, die er vom Angeklagten H. erhalten hat, ausgeführt. Insoweit gelten für ihn die gleichen Erwägungen wie für B.. Weiterhin war zu berücksichtigen, dass sich der Angeklagte S. in der Hauptverhandlung geständig eingelassen hat, wenngleich sein Geständnis auch nicht von Reue geprägt war. Zwar ist auch er vorbestraft und Bewährungsversager, jedoch ist nach Würdigung aller Gesamtumstände, insbesondere der wesentlichen versuchsbezogenen Umstände kam die Kammer in Ausübung ihres Ermessens zu dem Ergebnis gelangt, die Strafe wegen Versuches gemäß §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB zu mildern.

Der Kammer stand demnach hinsichtlich des 2. Tatkomplexes gem. den §§ 49 Abs. 1 Nr. 1, 38 Abs. 2 StGB ein Strafrahmen von 3 bis 15 Jahren zur Verfügung.

Bei der konkreten Strafzumessung fiel zugunsten des Angeklagten dessen Geständnis ins Gewicht, wenngleich es nicht von Reue geprägt war. Zugunsten des Angeklagten hat die Kammer auch eine mögliche alkoholbedingte Enthemmung gewürdigt. Sie hat zugunsten des Angeklagten weiterhin berücksichtigt, dass sein Tatbeitrag nicht von steuernder und treibender Qualität war und eine gewisse Gruppendynamik auch auf ihn wirkte.

Zu Lasten des Angeklagten war zu berücksichtigen, dass er selbst, nachdem es dem Geschädigten schon gelungen war, die Flammen zu, löschen und dieser zu fliehen begann, durch eine Nacheile versuchte, die Flucht zu verhindern. Die Kammer hat weiterhin zu Lasten des Angeklagten gewürdigt, dass der Anlass der Tat ein Nichtiger war und mehrere Straftatbestände sowie zwei Mordmerkmale durch den Angeklagten verwirklicht wurden. Die Kammer hat auch gewürdigt, dass der Geschädigte infolge der Tat erhebliche Schmerzen sowie äußerst belastende und langwierige medizinische Eingriffe erleiden musste. Zu Lasten des Angeklagte hat die Kammer dessen zahlreiche Vorstrafen berücksichtigt und sein Bewährungsversagen.

Nach Abwägung aller Umstände der Tat und Täterpersönlichkeit erschien der Kammer die Verhängung einer Einsatzfreiheitsstrafe von 13 - dreizehn - Jahren und 6 - sechs - Monaten tat- und schuldangemessen, erforderlich, aber auch ausreichend, um nachhaltig auf den Angeklagten einzuwirken, ihm das Unrecht seines Verhaltens eindringlich vor Augen zu führen und um ihn in Zukunft vor der Begehung von Straftaten abzuhalten. Trotz des Geständnisses bedarf es einer derart hohen Strafe, um auf den uneinsichtigen Angeklagten einzuwirken.

Bei nochmaliger Abwägung aller genannten für und gegen den Angeklagten sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkten hielt die Kammer die Verhängung einer Gesamtfreiheitsstrafe gem. § 52 Abs. 1 StGB in Höhe von

14 - vierzehn - Jahren

für schuld- und tatangemessen und für erforderlich, aber ausreichend, um den Angeklagten das Unrecht seines Verhaltens in aller Deutlichkeit vor Augen zu führen. In Anbetracht des Geständnisses blieb die Kammer damit unterhalb der Gesamtfreiheitsstrafe für den Angeklagten B.

1.3.
Der Angeklagte M. S. hat die Tat im Alter von 20 Jahren und 9 Monaten und damit als Heranwachsender im Sinne von § 1 Abs. 2 JGG begangen.

Im Hinblick auf den Angeklagten S. waren die Regelungen des Jugendstrafrechts zur Anwendung zu bringen, da die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Angeklagten bei Berücksichtigung der Umweltbedingungen ergeben hat, dass er zur Zeit der Tat in seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, § 105 Abs. 1 Ziffer 1 JGG. Entsprechend den überzeugenden Ausführungen des Vertreters der Jugendgerichtshilfe sowie den überzeugenden Ausführungen der Sachverständigen Dr. H. weist der Angeklagte eine labile und nicht altersgerecht gereifte Persönlichkeit vor. Der Angeklagte ist trotz seines hohen Alters von seinen Eltern abhängig und nicht in der Lage, ein eigenständiges Leben zu führen.

Zur Ahndung der vorliegenden Taten kam bei dem Angeklagten S. sowohl unter dem Gesichtspunkt vorliegender schädlicher Neigungen im Sinne des § 17 Abs. 2 1. Alt. JGG als auch unter dem Gesichtspunkt der Schwere der Schuld im Sinne des § 17 Abs. 2 2. Alt. JGG nur die Verhängung einer Jugendstrafe in Betracht. Schädliche Neigungen, also Mängel, die ohne eine längere Gesamterziehung die Gefahr der Begehung weiterer nicht nur gemeinlästiger oder Bagatellstraftaten in sich bergen, liegen bei dem Angeklagten vor. Er ist leicht beeinflussbar und ohne weiteres für Straftaten aufgrund seiner Einstellung und seines negativen Umgangs anfällig. Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte ohne eine lange Gesamterziehung in die völlige Dissozialität abrutschen würde. Des weiteren ist beim Angeklagten S. auch eine besondere Schwere der Schuld gegeben. Die Begehung der hier abgeurteilten Taten ist für Erwachsene mit einer sehr hohen Freiheitsstrafe bedroht, das Verbrechen des Mordes gehört zu den schwersten Straftaten, die das Gesetz kennt.

1.4.
Der Angeklagte H. H. hat die Tat im Alter von 18 Jahren und 7 Monaten und damit als Heranwachsender im Sinne des § 1 Abs. 2 JGG begangen.

Im Hinblick auf den Angeklagten H. waren die Regelungen des Jugendstrafrechts zur Anwendung zu bringen, da eine Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Angeklagten bei Berücksichtigung der Umweltbedingungen ergeben hat, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, § 105 Abs. 1 Ziffer 1 JGG. Entsprechend den überzeugenden Ausführungen des Vertreters der Jugendgerichtshilfe und der Sachverständigen Dr. H. weist der Angeklagte eine dissoziale Persönlichkeitsstörung auf. Zur Ahndung der vorliegenden Tat kam bei dem Angeklagten H. sowohl unter dem Gesichtspunkt schädlicher Neigungen gem. § 17 Abs. 2 1. Alt. JGG als auch unter dem Gesichtspunkt der Schwere der Schuld im Sinne des § 17 Abs. 2 2. Alt. JGG die Verhängung einer Jugendstrafe in Betracht. Schädliche Neigungen, also Mängel, die ohne eine längere Gesamterziehung die Gefahr der Begehung weiterer, nicht nur gemeinlästiger oder Bagatellstraftaten in sich bergen, liegen bei dem Angeklagten vor. Der Angeklagte H. hat eine dissoziale Lebensentwicklung eingeschlagen, welche bereits zu erheblichen Straftaten, wozu schlussendlich auch die hier abgeurteilten Taten gehören, geführt hat. Ohne eine lange Gesamterziehung ist es wahrscheinlich, dass der Angeklagte in die völlige Dissozialität abgleitet. Darüber hinaus ist vorliegend bei dem Angeklagten H. auch eine besondere Schwere der Schuld gegeben.

Der Angeklagte M. R. hat die Tat im Alter von 17 Jahren und 11 Monaten und damit als Jugendlicher im Sinne von § 1 Abs. 2 JGG begangen.

An der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Angeklagten hatte das Gericht - in Übereinstimmung mit dem Vertreter der Jugendgerichtshilfe und dem Sachverständigen Dr. K. - wie ausgeführt - keine Zweifel. Der Angeklagte war zum Zeitpunkt der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug einzusehen, dass er mit den Taten Unrecht getan hat. Er hätte auch nach dieser Einsicht handeln können. Insoweit wird auf die bereits dargelegten Ausführungen des Sachverständigen Dr. K., Ziffer IV 5.2.4. der Urteilsgründe Bezug genommen.

Zur Ahndung der vorliegenden Taten kam bei dem Angeklagten R. sowohl unter dem Gesichtspunkt vorliegender schädlicher Neigungen gem. § 17 Abs. 2 1. Alt. JGG als auch unter dem Gesichtspunkt der Schwere der Schuld im Sinne des § 17 Abs. 2 2. Alt. JGG nur die Verhängung einer Jugendstrafe in Betracht.

Schädliche Neigungen, also Mängel, die ohne eine längere Gesamterziehung die Gefahr der Begehung weiterer, nicht nur gemeinlästiger oder Bagatellstraftaten in sich bergen, liegen bei dem Angeklagten vor. Der Angeklagte R. hat, resultierend aus den Broken-Home-Verhältnissen, in denen er aufgewachsen ist, eine dissoziale Lebensentwicklung eingeschlagen, welche zu erheblichen Straftaten, wozu schlussendlich auch die hier abgeurteilten Taten gehören, geführt hat. Ohne eine längere Gesamterziehung wird der Angeklagte nicht aus seinen dissozialen Lebensverhältnissen herausfinden können. Die Bindung zum Elternhaus, bzw. zu der Mutter, ist - wenn auch Kontakte noch bestehen - praktisch nicht mehr gegeben. Der Angeklagte neigt zum Alkoholmissbrauch, wenn auch eine Abhängigkeitserkrankung im psychiatrischen Sinne noch nicht festgestellt werden kann. Das Alkoholtrinken findet im wesentlichen in den Gruppen statt, denen sich der Angeklagte anschließt. Vor allem in den Skinheadgruppen sucht er Orientierung und Identifizierung. Hierzu gehört auch das szenetypische Alkoholtrinken in großen Mengen. Der Angeklagte lebt aus einer kurzschlüssigen und impulshaft ausgelebten Nahzielorientierung, bei der eine rasche Bedürfnisbefriedigung im Vordergrund steht. Perspektivische Überlegungen mit langfristigen Zielen werden von ihm praktisch nicht mehr angestellt. In diesem, psycho-sozialen Kontext beging der Angeklagte immer wieder zuerst leichtere und dann schwerste Straftaten. Im Zusammenhang mit der hier abgeurteilten Tat zeigt insbesondere die in der JVA L. von dem Angeklagten angebrachte Aufschrift auf einem Brett des Bettes seine dissoziale Lebenseinstellung und charakterliche Unreife. Um sich in der Skinhead- und Naziszene einen Ruf zu machen und dort Aufwertung und Anerkennung zu erfahren, versuchte der Angeklagte auf diese Weise mit der von ihm begangene Tat zu protzen. Dies resultiert zur Überzeugung der Kammer vor allem aus dem, der katastrophalen Kindheit und Jugend des Angeklagten geschuldeten, starken Bedürfnis des Angeklagten nach Integration in eine Gemeinschaft. Die Kammer ist davon überzeugt, dass bei dem Angeklagten R. eine lange Gesamterziehung notwendig ist, um den Angeklagten zu einer Lebenseinstellung zu bringen, bei der die Gefahr der Begehung weiterer schwerer Straftaten nicht mehr wahrscheinlich ist.
Darüber hinaus ist vorliegend bei dem Angeklagten R. auch eine besondere Schwere der Schuld gegeben. Die Begehung der Taten ist für Erwachsene mit einer sehr hohen Freiheitsstrafe bedroht das Verbrechen des Mordes gehört zu den schwersten Straftaten, die das Gesetz kennt.

2. Konkrete Strafzumessungen

Der Kammer stand zur Ahndung der Taten hinsichtlich der Angeklagten S., H. und R. gemäß § 18 Abs. 1 Satz und § 2 JGG jeweils ein Strafrahmen von 6 Monaten bis zu 10 Jahren zur Verfügung.

2.1.

S.:
Bei der konkreten Strafzumessung, die vom Erziehungsgedanken geprägt war, hat die Kammer hinsichtlich des ersten Tatkomplexes berücksichtigt, dass der Angeklagte S. alkoholbedingt in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt und seine Schuldfähigkeit dementsprechend vermindert war.

Hinsichtlich beider Tatkomplexe hat die Kammer auch gewürdigt, dass der Angeklagte sich nach der Tat bei dem Geschädigten entschuldigt und Reue gezeigt hat. Sie hat zugunsten des Angeklagten S. auch, gewürdigt, dass dieser im wesentlichen die Anweisungen von H. ausgeführt hat.

Zu seinen Lasten waren seine Vorbelastungen und auch einschlägigen Vorstrafen zu berücksichtigen, sowie der Umstand, dass er die Tat im Rahmen einer laufenden Bewährung begangen hat. Die Kammer hat insoweit auch gewürdigt, dass Anlass der Taten ein Nichtiger war. Zugunsten des Angeklagten hat die Kammer ebenfalls noch gewürdigt, dass er sich im Rahmen seiner richterlichen Vernehmung weithin geständig eingelassen hat.

Hinsichtlich des ersten Tatkomplexes hat die Kammer berücksichtigt, dass die Dauer, während der der Angeklagte den wiederholten Übergriffen ausgesetzt war, erheblich war.

Hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes hat die Kammer zu Gunsten des Angeklagten gewürdigt, dass die Tat im Versuch steckengeblieben ist. Die Kammer hat insoweit zwar berücksichtigt, dass vorliegend eine hohe Nähe zur Tatvollendung gegeben war und eine hohe Gefährlichkeit des Versuchs vorlag. Insoweit wird auf die entsprechenden Ausführungen zum Angeklagten B. unter V 1.1.2. Bezug genommen. Die Kammer geht aber davon aus, dass die von dem Angeklagten S. aufgewandte kriminelle Energie nicht als besonders hoch zu werten ist. Auch der Angeklagte S. war im gesamten Geschehen kein treibendes oder steuerndes Glied, er hat vielmehr lediglich die Anweisungen des Angeklagten H. ausgeführt. Zwar war er derjenige, der den Geschädigten auf Geheiß von H. mit Benzin übergossen hat. Das Gesamtgeschehen war aber das Ergebnis eines gruppendynamischen Prozesses, dem sich auch der Angeklagte S. aufgrund der bei ihm vorliegenden Labilität und Ich-Schwäche in Verbindung mit der bei ihm vorliegenden ganz erheblichen Alkoholisierung nur schwer zu entziehen vermocht hätte, wenngleich eine Verminderung seiner Unrechtseinsichtfähigkeit oder Steuerungsfähigkeit noch nicht vorlag.

Zugunsten des Angeklagten hat die Kammer weiterhin berücksichtigt, dass auch der Angeklagte S. durch das Bewusstlosschlagen des Geschädigten mit einem Stein durch den Angeklagten R., diesem weitere Qualen ersparen wollte.

Zu Lasten des Angeklagten hat die Kammer gewürdigt, dass durch ihn mehrere Straftatbestände und zwei Mordmerkmale verwirklicht wurden. Weiterhin hat die Kammer berücksichtigt, dass die Tat gemeinschaftlich begangen wurde und der Geschädigte infolge der Tat ganz erhebliche Schmerzen erlitten hat und sich enorm belastender medizinischer Eingriffe unterziehen musste.

Unter Berücksichtigung aller für und gegen den Angeklagten S. sprechenden Umstände sowie der individuellen Tat und Schuldschwere erschien der Kammer unter Einbeziehung des Urteils des Amtsgerichts B. vom xx. 12. 1999, Aktenzeichen x Ls xxx Js xxx/99 der Ausspruch einer Einheitsjugendstrafe von

8 - acht - Jahren

aus erzieherischen Gründen erforderlich, aber auch ausreichend, um nachhaltig auf den Angeklagten einzuwirken, ihm das Unrecht seines Verhaltens vor Augen zu halten und zukünftig von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten.

2.2

H.:
Im Rahmen der konkreten Strafzumessung hinsichtlich des 1. Tatkomplexes hat die Kammer zu Gunsten des Angeklagten Hoffman gewürdigt, dass er alkoholisch enthemmt war. Zu seinen Lasten hat die Kammer gewürdigt, dass er das Gesamtgeschehen gesteuert und mit seinen Weisungen vorangetrieben hat. Die Kammer hat auch berücksichtigt, dass der Angeklagte vorbelastet und auch einschlägig vorbestraft ist. Weiterhin hat die Kammer zu Lasten des Angeklagten gewürdigt, dass der Anlass der Tat ein Nichtiger war.

Hinsichtlich des 2. Tatkomplexes hat die Kammer zunächst zugunsten des Angeklagten zu seinen Gunsten berücksichtigt, das die Tat im Versuch steckengeblieben ist. Im Rahmen der konkreten Strafzumessung hat die Kammer hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes weiterhin zugunsten des Angeklagten, dessen alkoholische Enthemmung gewürdigt, sie hat auch gewürdigt, dass der Angeklagte dem Opfer durch das Bewusstlosschlagen durch den Angeklagten R. weitere Qualen ersparen wollte. Zu Lasten des Angeklagten hat die Kammer auch hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes gewürdigt, dass der Angeklagte H. das Geschehen gesteuert und die entsprechenden Anweisungen an die übrigen Angeklagten gegeben hat. Das Maß der kriminellen Energie ist von allen Angeklagten bei ihm am höchsten zu veranschlagen. Die Kammer hat weiterhin gewürdigt, dass der Anlass der Tat ein Nichtiger war, mehrere Straftatbestände und zwei Mordmerkmale verwirklicht wurden. Die Kammer hat auch berücksichtigt, dass der Angeklagte den zweiten Tatkomplex mit mehreren gemeinschaftlich begangen hat und die Tatfolgen für den Geschädigten äußerst schmerzhaft und er infolge der notwendigen medizinischen Behandlungen langwierigen Belastungen ausgesetzt war und ist.

Bei Abwägung sämtlicher für und gegen den Angeklagten sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkte hielt die Kammer unter Einbeziehung des Urteils des Amtsgerichts B. vom xx.10.2000, Aktenzeichen: x Ls xxx Js xxx/00 (xx/00) die Verhängung einer Einheitsjugendstrafe in Höhe von

10 - zehn - Jahren

tat- und schuldangemessen, sowie aus erzieherischen Gründen erforderlich, um den Angeklagten das Unrecht seines Verhaltens deutlich vor Augen zu führen, nachhaltig auf ihn erzieherischen Einfluss zu nehmen und in Zukunft von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten.

2.3.

R.
Bei der konkreten Strafzumessung, die vom Erziehungsgedanken geprägt war, hat die Kammer zugunsten des Angeklagten R. hinsichtlich beider Tatkomplexe folgendes gewürdigt:

Die Kammer hat zunächst vor allem das Geständnis des Angeklagten in der Hauptverhandlung berücksichtigt, welches jedenfalls im Ansatz auch von Reue geprägt war. Zugunsten des Angeklagten hat das Gericht weiterhin berücksichtigt, dass auch er Befehlsempfänger des Angeklagten, H. war. Dem gruppendynamischen Effekt und insbesondere den Anweisungen des älteren und in jeder Hinsicht überlegenen H. konnte er aufgrund der Ich-Schwäche, welche aus seiner katastrophalen biographischen Situation resultiert, nur schwer etwas Wesentliches entgegensetzen. Zugunsten des Angeklagten hat das Gericht weiterhin dessen enorm belastete Kindheit und Jugend berücksichtigt. Der Angeklagte kommt, aus sogenannten Broken-Home-Verhältnissen. Er war in seiner gesamten Kindheit den gewalttätigen Übergriffen seiner Mutter und deren Lebenspartner ausgesetzt. Positive väterliche Vorbilder fehlten dem Angeklagten ebenso, wie eine fürsorgliche und einfühlsame erzieherische Begleitung der Mutter. Um der katastrophalen Situation zu entfliehen, versuchte sich der Angeklagte früh von Zuhause zu lösen und glitt zunehmend in eine dissoziale Lebensweise ab. Dies führte schon früh zu der Begehung von zunächst leichten, dann immer schwerer werdenden Straftaten. Fehlende elterliche Geborgenheit aber auch das fehlende elterliche Vorbild sowie die Autorität der Eltern, versuchte der Angeklagte dadurch zu kompensieren, dass er sich randständigen, insbesondere Skinheadgruppen anschloss und dort versucht Aufmerksamkeit und Integration zu erlangen. Der Angeklagte R. befand sich auch kurz vor der Tatbegehung in der Situation eines Hilfesuchenden. Er hat auch mit dem Jugendamt in M. Kontakt aufgenommen, um durch einen Ortswechsel die offensichtlich immer größer werdenden Probleme in B., beziehungsweise im P.-haus zu lösen. Seine Hilferufe wurden aber von den zuständigen Sozialarbeitern in der Einrichtung des P.-hauses nicht gehört, beziehungsweise ignoriert. Jedenfalls wurde nicht adäquat auf die Bemühungen des Angeklagten R., an seiner Lebenssituation etwas zu ändern, reagiert.

Zu seinen Lasten hat die Kammer ebenfalls hinsichtlich beider Tatkomplexe die Vorbelastungen des Angeklagten berücksichtigt. Sie hat auch gewürdigt, dass der Anlass der Taten ein Nichtiger war.

Hinsichtlich des ersten Tatkomplexes hat die Kammer zu Gunsten des Angeklagten auch gewürdigt, dass der Angeklagte zu Beginn des Tatgeschehens alkoholisch enthemmt war.

Hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes hat die Kammer zu Gunsten des Angeklagten zunächst gewürdigt, dass die Tat im Versuch steckengeblieben ist.

Die Kammer hat bei der Prüfung der Frage, ob insoweit ein Milderungsgesichtpunkt vorliegt, besonderes Gewicht auf die wesentlich versuchsbezogenen Umstände gelegt, vor allem die Nähe der Tatvollendung, die Gefährlichkeit des Versuches und die vom Angeklagten aufgewandten kriminellen Energie. Hinsichtlich der Nähe der Tatvollendung und der Gefährlichkeit des Versuches wird auf die Ausführungen in den Urteilsgründen betreffend den Angeklagten B. Bezug genommen.
Die von dem Angeklagten R. aufgewandte kriminelle Energie hat die Kammer allerdings nicht als besonders hoch gewertet. Der Angeklagte R. war im gesamten Geschehen kein treibendes oder steuerndes Glied, er hat im wesentlichen die Anweisungen bzw. Befehle, welche er vom Angeklagten H. erhalten hat, ausgeführt. Er war zwar derjenige, der den Geschädigten mittels eines Feuerzeuges angezündet hatte, wobei jedenfalls er wusste, dass der Geschädigte durch den Schlag mit dem Stein nicht bewusstlos geworden war. Die Kammer hat aber insoweit auch berücksichtigt, dass die Tat das Ergebnis eines gruppendynamischen Prozesses war, dem alle Angeklagten, auch der Angeklagte R., ausgeliefert waren, wenngleich die Stufe der fehlenden Steuerungsfähigkeit noch nicht erreicht war. Die Tat hat sich aus einer "Party" heraus entwickelt, bei der zu Beginn auch durch den Angeklagte R. Alkohol konsumiert wurde. Diese "Party" eskalierte zunächst in massive Übergriffe gegen den Geschädigten und dann im Zuge des weiteren gruppendynamischen Geschehens in den Mordversuch. Zwar hätte der Angeklagte R. jederzeit das Geschehen und den Ort verlassen können, dem Sog der Geschehnisse konnte er aufgrund seiner labilen Persönlichkeit, die geprägt ist von einer enormen Ich-Schwäche und einem hohen Maß an Geltungsdrang, in dieser Gruppensituation nur schwer noch etwas Wesentliches entgegensetzen. Auch die von dem Angeklagten R. in der JVA L. auf dem Brett seines Bettes angebrachte Aufschrift stellt nach Überzeugung der Kammer kein Indiz für eine besonders hohe kriminelle Energie dar. Sie ist vielmehr Ausdruck der jugendlichen Unreife und Dissozialität des Angeklagtem und Ausdruck seines enormen Geltungsbedürfnisses und des hieraus resultierenden Versuches des Angeklagten in der regionalen Skinhead- und Naziszene noch Geltung und Beachtung zu finden.

Weiterhin hat in die Prüfung des Gerichts im Hinblick auf die umfassende Abwägung aller Umstände, Eingang gefunden, dass sich der Angeklagte in der Hauptverhandlung geständig eingelassen hat, sich dabei auch selbst belastet und ansatzweise Reue gezeigt hat, wenngleich dieses Geständnis auch erst nach der Vernehmung des geschädigten Zeugen T. erfolgte. Die Kammer hat insbesondere auch die Persönlichkeit des Angeklagten, dessen katastrophale Entwicklung in der Kindheit und frühen Jugend, seine schwere soziale und psychische Lage und evidente Hilfsbedürftigkeit berücksichtigt. Die Kammer hat in ihre Ermessensentscheidung auch die Vorstrafen des Angeklagten einbezogen, sie hat auch gewürdigt, dass der Anlass der Tat ein Nichtiger war und mehrere Straftatbestände über eine längere Tatdauer begangen und zwei Mordmerkmale verwirklicht wurden. Die Kammer hat auch die Schwere der Tatfolgen, nämlich die Schmerzen des Geschädigten nach der Tat sowie die äußerst belastenden und langwierigen medizinischen Eingriffe denen der Geschädigte ausgesetzt war berücksichtigt.

Im Rahmen der weiteren Strafzumessung hinsichtlich des zweiten Tatkomplexes hat die Kammer zu Lasten des Angeklagte gewürdigt, dass mehrere Straftatbestände und zwei Mordmerkmale verwirklicht wurden. Die Kammer hat auch die Schwere der Tatfolgen, nämlich die Schmerzen des Geschädigten nach der Tat sowie die äußerst belastenden und langwierigen medizinischen Eingriffe berücksichtigt, denen der Geschädigte ausgesetzt war.

Unter Berücksichtigung aller für und gegen den Angeklagten R.. sprechenden Umstände sowie der individuellen Tat und Schuldschwere schien der Ausspruch einer Einheitsjugendstrafe von

7 - sieben - Jahren und 10 - zehn - Monaten

aus erzieherischen Gründen erforderlich aber auch ausreichend, um auf den Angeklagten nachhaltig Einfluss zu nehmen und ihn in Zukunft zu einem straffreien Verhalten anzuhalten. Weitere Maßnahmen erschienen nicht erforderlich.

VI.

Die Kostenentscheidung erfolgt für die Angeklagten B. und S. aus § 465 StPO.

Hinsichtlich der Angeklagten S. und H. folgt die Kostenentscheidung aus den §§ 109 Abs. 2 Satz 1, 105 Abs. 1 Nr. 1, 74 JGG. Hinsichtlich des Angeklagten R. folgt sie aus § 74 JGG. Die Resozialisierung der Angeklagten soll nicht über ein erzieherisch angemessenes Maß hinaus durch Verschuldung erschwert werden.

Unterschriften der Richter

Zuletzt bearbeitet am: 13.01.2013

© 2020 | Prof. Dr. Gerhard Wolf, Europa Universität Viadrina    -   Letzte Änderung: 04.11.2014 TOP Seitenanfang