Prof. Dr. Gerhard Wolf

Themen und Ergebnisse meiner Arbeit

Impressum  Impressum  Drucken  Drucken  Sitemap  Sitemap  
 

Prof. Dr. Gerhard Wolf                                                                                        

 

Danksagung, Bilanz und Perspektive

 

Die feierliche Überreichung einer Festschrift war ein wunderschöner Abschluss meiner Dienstzeit. Die liebenswürdigen Grußworte (die viele schöne Erlebnisse in Erinnerung gebracht haben) waren ebenso wie die Festrede eine große Freude. Danke!


Einige Danksagungen möchte ich etwas detaillierter ausführen:

Der erste Dank geht an die Viadrina: Es waren mehr als 22 schöne Jahre, eine lange, ertragreiche Zeit. Insbesondere die Aufbaujahre waren begeisternd – und die damalige Aufbruchstimmung verbindet bis heute miteinander und trägt über die persönliche Verbundenheit hinaus auch sachlich nach wie vor in vielfältiger Weise Früchte.

Zu den bleibenden Verdiensten, die sich die Viadrina an ihre Fahnen heften kann, gehört insbesondere die Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen und Studenten. Die Universität hat weit über ihre Aufgaben in Forschung und Lehre hinaus zur Verständigung beider Länder beigetragen.

Selbstverständlich gab es im Laufe meiner Dienstzeit auch Wermutstropfen, die man ja nicht höflich verschweigen sollte: Von eher untergeordneter Bedeutung waren dabei die weitreichenden organisatorischen, von mir negativ beurteilten Umstrukturierungen der Universität sowie deren reduzierte finanzielle Ausstattung. Als wesentlichen und gravierenden Einschnitt empfinde ich vor allem die Verschulung des Studiums. Aber die hat nicht die Viadrina zu verantworten, in den Kategorien des Strafrechts ist sie insoweit nicht Täterin, sondern selbst Opfer. Für den von diesen Entwicklungen betroffenen Hochschullehrer war es unabhängig von allen Erklärungen trotzdem zunächst einmal eine herbe Enttäuschung – über die ich mir allerdings in der Freiheit von Forschung und Lehre weitgehend selbst hinweghelfen konnte.

An diese Feststellungen schließt sich nahtlos das zweite „Danke“ an, es richtet sich an die Mitarbeiter meines Lehrstuhls an der Viadrina. In der veränderten Hochschulwelt haben sie mit riesigem selbstlosem Engagement für mich Entlastung geschaffen und damit Freiraum für meine wissenschaftliche Arbeit erhalten. Die Neuerungen in der Universitätslandschaft sind auf diese Weise zwar nicht völlig an mir vorübergegangen, aber doch weitestgehend von mir ferngehalten worden.

 

Ich danke - scheinbar lange zurückliegende Vergangenheit - meinen beiden akademischen Lehrern, die meine wissenschaftliche Arbeit bis heute geprägt haben: Meinem Vater, dem Zivilrechtler Ernst Wolf habe ich vor allem die Ausbildung in fachübergreifenden Grundfragen, meinem Doktor- und Habilitationsvater Dieter Meurer die Ausbildung im Strafrecht zu verdanken. Beide haben mir neben großen Hilfen und vielfacher Förderung vor allem alle Freiheiten belassen und mir die Sicherheit vermittelt, dass man sich in der Wissenschaft als Querdenker betätigen darf bzw. erforderlichenfalls muss. Die daraus entstandenen Ergebnisse meiner Arbeiten hat mein Strafrechtskollege Werner Beulke (mit großem Lob verbunden) prägnant zusammengefasst: „Ein Geisterfahrer - [Nach Wolf] Alle! - Oder vielleicht doch umgekehrt?“ Ich weiß, dass ich die akademische Freiheit des Hochschullehrers reichlich in Anspruch genommen habe. Aber das ist auch für meine künftige Arbeit ein Gebot der wissenschaftlichen Redlichkeit.

 

Ich danke für den Auftrieb, den mir die Festschrift und die mit ihr verbundene Anerkennung für meine Weiterarbeit geben.  Mein Ziel ist dabei die Auswertung, Fortführung und Publikation dessen, was sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Das war parallel zum Lehrbetrieb - jedenfalls bei meinem umfassenden Ansatz - nicht veröffentlichungsreif zu bewältigen. Es gilt daher jetzt Berge von Skripten, Notizzetteln, Kopien und Büchern durchzuarbeiten, aus- und einzusortieren, Irrwege auszumerzen und eine konsistente aktuelle Gesamtpublikation zu erstellen.

 


Die Eckpunkte meiner Konzeption kann ich in wenigen Sätzen zusammenfassen:

Ich versuche, eine umfassende, also nicht nur strafrechtliche Lehre zu formulieren, bei der ich an den naturwissenschaftlich erkennbaren Gegebenheiten, der Erkenntnislehre, der Verhaltenslehre und vielen anderen vorgelagerten Fragen ansetze, die man als Jurist nicht einfach ausblenden kann.

Der Dreh- und Angelpunkt meiner Lehren zum Recht sind die Menschenrechte, die nach meiner Auffassung eben gerade nicht von historischen bzw. politischen Deklarationen abhängen, sondern – wie der Name sagt - angeboren, unveräußerlich und universal mit dem Menschsein jedes einzelnen Menschen verbunden sind. Die uneingeschränkte, nicht teleologisch verfälschte Achtung der geltenden Gesetze kommt dann als weitere Grundbedingung rechtswissenschaftlicher Arbeit hinzu. Rechtsstaatlich ergibt sich daraus vor allem die Erforderlichkeit einer strikten Respektierung der Gewaltenteilung und des Gesetzeswortlauts.

Strafrechtslehre ist bei diesem Ansatz einfach. Bei Beachtung des Satzes: nulla poena sine lege reduziert sich alles auf eine sprachlich korrekte Auslegung der Strafgesetze und deren gesetzmäßige prozessuale und vollstreckungsrechtliche Umsetzung.

 

An der Publikation der Ergebnisse meiner Bemühungen arbeite ich kontinuierlich und konzentriert weiter.

© 2019 | Prof. Dr. Gerhard Wolf, Europa Universität Viadrina    -   Letzte Änderung: 20.02.2019 TOP Seitenanfang