"Einheit der Kriminalwissenschaften?! Zum Verhältnis von Kriminologie und Strafrechtsdogmatik"

(in: Festschrift für Dieter Dölling zum 70.Geburtstag, Die Kriminalwissenschaften als Teil der Humanwissenschaften, Berlin 2022, S.409 - 422)

Abstract

Strafrechtsdogmatik und Kriminologie erscheinen als „feindliche Schwe­stern“, deren Verhältnis vor allem aufgrund ihrer unterschiedlichen Beurteilung der „Willensfreiheit“ irreparabel zerrüttet ist: Ein gemeinsames Band zwischen Strafrechtsdogmatik und Krimi­nologie („Gesamte Strafrechtswissenschaft“) kann es von diesem Ansatz aus von vornherein nicht geben.

Meine in dem Beitrag zur Festschrift Dieter Dölling dargelegte Konzeption stimmt mit der Auffassung des Jubilars (der den Streit über die Willensfreiheit für "wissenschaftlich un-entschieden" hält) im methodischen Ansatz weitgehend überein. Er schlägt dann aber mit einer differenzierten Bejahung der Entscheidungsfreiheit in einem Teilbereich einen "entschieden" anderen Weg ein: Die insoweit eröffneten positiven Perspektiven für eine „Einheit der Kriminalwissenschaften“ geben der Strafrechtsdogmatik die benötigte, von der Hirnforschung publizistisch aufwändig in Frage gestellte Entscheidungsfreiheit als Argumentationsgrundlage zurück. Der Kriminologie wird auf diesem Weg der uneingeschränkte Respekt vor dem ihr bisher versagten Versuch eingeräumt, in dem verbleibenden, überaus großen "Dunkelfeld" empirisch jedenfalls Schritt für Schritt etwas weiterzukommen.